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Blog Entry No. 42 – Gänseblümchen

Liebe Leser:innen,

es ist soweit, der Herbst hat begonnen und mit ihm auch eine neue Saison Rezensionen für die gemütliche Zeit des Jahres. Was gibt es besseres als Regenwetter, eine kuschlige Decke, ein Heißgetränk (meine persönlichen Favoriten: Chai Latte, Kakao und schwarzer Tee) und ein gutes Buch?
Starten werde ich direkt mit einem 5-Sterne Buch. Obwohl es im Herbst und Winter spielt, also perfekt passt, hat es mir eher ein Sommer-Gefühl vermittelt, was denk ich ganz gut zum September passt, denn noch hat das Regenwetter nicht wirklich angefangen.

Gänseblümchen – eine sehr queere Geschichte wurde von Elias Finley geschrieben und am 25. Juli diesen Jahres im Queer Pack Verlag veröffentlicht. Ihr findet es unter der ISBN 9783982202747 als Taschenbuch und ebook. Mir wurde es von NetGalley als ebook im Austausch gegen eine ehrliche Rezension zur Verfügung gestellt.

Bevor ich zum Inhalt komme, kurz ein paar Worte zum Cover: So gut mir das Buch inhaltlich auch gefällt, mit dem Cover kann ich mich nur mäßig gut anfreunden. Es ist super bunt, was an sich gut zum sehr queeren Inhalt passt, jedoch wirkt es stark überladen. Durch die vielen verschiedenen, im Ton sehr kräftig leuchtenden Blumen fällt im ersten Moment gar nicht auf, dass auch die Schrift etwas viel ist. Auf den zweiten Blick fallen die drei verschiedenen Schriftarten in unterschiedlichen Größen und zum Teil verschiedenen Ausrichtungen dann aber doch auf. Positiv zu bemerken ist aber, wie gut sich das Verlagslogo einfügt.

Die Handlung wird aus Ricks Perspektive wiedergegeben, Rick der gerade 19 geworden ist, zur Schule geht und nebenbei im Baumarkt arbeitet, Rick, der Blumen, Rosa und Harmonie mag, von seinen Mitschüler:innen als schwul bezeichnet wird, obwohl er sich nicht sonderlich schwul fühlt und der in Gegenwart der beliebten Auri vor lauter Herzklopfen kein Wort über die Lippen bekommt. Mit Beginn des neuen Schuljahres kommt Bo neu in den Jahrgang und er scheint es auf Rick abgesehen zu haben. Nicht nur dass er ihn beklaut und provoziert, wo er nur kann, ausgerechnet Bo scheint auch einen besonderen Draht zu Auri zu haben. Doch als Rick Bo näher kennenlernt, beginnen sich die Ereignisse zu jagen.

Gänseblümchen ist sehr gut verständlich und vor allem nah am Hauptcharakter geschrieben. Der Schreibstil vermittelt das Gefühl, alles tatsächlich aus Ricks Gedanken heraus mit zu erleben, dadurch liest es sich zum einen sehr schnell und zum andern auch sehr emotional. Besonders gut finde ich außerdem, dass es eine sehr detaillierte Liste mit potentiellen Triggern gibt, durchgängig inklusive * gegendert wird und dass im Vorwort auf die Verwendung der Pronomen sier/sien eingegangen wird, denn genau diese Art der Kommunikation ermöglicht mehr Sensibilisierung für den respektvollen Umgang mit non-binären Menschen und Verständnis für den notwendigen Sprachwandel für mehr Repräsentation, dessen Notwendigkeit viele Menschen leider noch nicht sehen. Generell muss ich aber auch einfach sagen, dass das Buch schon allein durch die enorme Menge an queerer Repräsentation (vor allem der Teile der Community, die sonst leider viel zu oft übersehen werden) einen riesigen Pluspunkt bei mir hat.

Die Entwicklung des Plots hat mich schlicht umgehauen. Durch die Liste potentieller Trigger wurde zwar schon deutlich, dass viel passiert, aber es gab so viele Wendungen, mit denen ich nicht gerechnet hätte, dass es bis zum Epilog spannend und überraschend blieb. Bezeichnend hierfür ist mein Kommentar bei goodreads, als ich gerade 93% des Buches gelesen hatte: “Es sind noch 7% zu lesen und ich habe das ungute Gefühl, dass mir dieses Buch das Herz brechen wird. Ich hab so Angst um Bo. Er hat sich wie der letzte Arsch verhalten, aber er ist mir wirklich ans Herz gewachsen und ich habe irgendwie doch sehr Angst vor dem Ende des Buches.”

Letztlich kann ich vor allem eins sagen: Wow. Nur wenige Bücher schaffen es, mich mit allen Emotionen abzuholen, Charaktere zu schaffen, die absolut glaubwürdig und real geschrieben sind, und dabei noch wichtige politisch-moralische Botschaften zu vermitteln. Ich habe mindestens genauso oft gelacht (ja, auch laut, sehr zur Verwirrung der Menschen um mich herum) und mich für die beschriebenen Personen gefreut wie ich auch sauer auf Rick und Bo war und mitgelitten habe, wenn die Handlung unschöne Wendungen nahm. Die beschriebene Freundschaft zwischen Rick und Vhyn ist einfach großartig (ich würde die beiden so gern mal in der Realität treffen) und die Charakterentwicklung (die ich mir für Rick noch etwas mehr gewünscht hätte) von Bo ist der Wahnsinn. Es ist so schön zu lesen, wie Vhyn und Auri über sich hinauswachsen und mit allem Mut, den es dafür leider manchmal braucht, zu sich selbst stehen. Aber nicht zuletzt sind auch die Nebencharaktere einfach cool, ich brauche bitte mehr Personen wie Ricks Großeltern in meinen Büchern! 😀
5 von 5 absolut verdiente Sterne für diesen wunderbaren, queeren Young-Adult Roman, dessen Cover und Inhalt genauso unperfekt, bunt und liebenswert sind, wie das Leben.

Alles Liebe,
Aly

PS: Das Buch hat mir mein Herz übrigens nicht gebrochen, manchmal ist es unglaublich gut, wenn Erwartungen nicht erfüllt werden, denn dann kann man positiv überrascht werden, was hier eindeutig der Fall war.