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Blog Entry No. 33a – Who am I?

Dear readers,

as I already celebrated in Blog Entry No. 32, Alyrene’s Blog already exists for a whole year. A year, in which a lot of things happened. A year, in which I realized quite a few things. A year that asked at least as many questions as it answered.
When I startet blogging I wanted to stay anonymous at all costs. I only told two or three people about this project and that mainly for practical reasons. In Blog Entry No. 12 – Den Mund voll ungesagter Dinge I already raised the topic a bit, why I prefer to stay anonymous: Anonymous one has a place, where one could unload all of ones psychological ballast, could talk (or in this case write), without having to look into pitiful and/or helpless faces, without having to answer questions, which one wouldn’t want to ask oneself. (To everybody, who knows me privately: Please don’t take that personally, I am just honest and like this my life is easier.) But staying anonymous has even more advantages: For one thing, one can choose ones name oneself without hurting someone or investing a lot of money in the bureaucracy of the state. Don’t get me wrong, I love my name, which I got for my birthday and which is written in my ID, I probably wouldn’t even want to give up my surname in case of a marriage and my pseudonym is to large extent composed of my first name, but Alyrene is just a damn cool name, which isn’t all that widespread and I wouldn’t want to let go of it again. On the other hand the advantage of keeping that kind of clear distinction of private and public life is undeniable. That makes it way easier to relax in private ­čśë Furthermore the idea of a secret identity is obviously just cool ­čśÇ

But, as I said, the last year brought a lot of change with it. One of the things that I have realized (more), is for example that I don’t want to hide my face anymore. I want you to know, whose thoughts you get to read here, how the human that is behind all of this looks and which face you can gladly connect with the name Alyrene. I want to stand by my identity, once I have found it (at this point in time there are still a few question marks). It is clear to me that it is actually totally insignificant how I look or that I actually have dark blonde, absolutely straight hair but this also means that you can know it.

There is no picture in existence with which I would be satisfied, so here you have an imperfect picture of an imperfect Aly ­čÖé

So that’s me: Constantly on the search for myself (the question of identity is, besides the question of the meaning of life, really the hardest of all the questions but in contrast to the latter, it is probably worth asking it), 18 years old today (founding the blog on my birthday really has something to it), 1,65 m high, much more content with red, wavy hair, white, west privileged, German Citizen. Four months I was able to live in wonderful Ireland and I hope to be able to travel a lot, once this pandemic is hopefully over at some point. I like to talk with people, especially with the older generations, because they often have collected much more life experience and lived under totally different circumstances. The stories, which many people have to tell, interest me again and again. I was once told I would be write dramatically and maybe that is true. Maybe I am dramatic, because I often attribute big meanings to small comments, small actions, because I believe that it is still possible to save the world and because the universe, in which we live, fascinates and overwhelms me in its infinity regularly (as I said, the question of the meaning of life probably has no place in the infinity). Maybe I am dramatic in my enthusiasm for things that excite me and/or deeply touch me (humans, books, music, movies, the planet earth, etc.). Maybe being dramatic is something good. Or not, since good and bad are only questions of definition anyway.
I don’t know (yet), in which part of the LGBTQIA+ community I feel to belong, but what I know is that I will always want to be an ally for all of these people, who, because of their identity, are discriminated, oppressed, ignored and experience hostility or even violence. We are all humans, so we should enable equal opportunities, human rights and a life in freedom to everybody. We should treat our fellow human beings with kindness and respect and fight for those, whose rights are not preserved and who are not treated this way. I know that I am a cis woman, who stands for these values and I know that my other questions will be answered on my search for my identity. I am already looking forward to the moment, as an old woman, having found security in my being and passing on my life experience to a generation, which hopefully lives in a better world than us today.

That is me. Somehow. In one year I will probably be a different person (with the same core?). Who knows.

Yours sincerely,
Aly

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Blog Entry No. 33 – Wer bin ich?

Liebe Leser*innen,

wie ich in Blog Entry No. 32 bereits zelebrierte, gibt es Alyrene’s Blog nun schon ein Jahr. Ein Jahr, in dem viel passiert ist. Ein Jahr, in dem mir einiges klar geworden ist. Ein Jahr, dass mir mindestens genauso viele Fragen wie Antworten gegeben hat.
Als ich mit dem Bloggen angefangen habe, wollte ich um jeden Preis anonym bleiben. Ich habe nur zwei oder drei Personen von diesem Projekt erz├Ąhlt und das auch haupts├Ąchlich nur aus praktischen Gr├╝nden. In Blog Entry No. 12 – Den Mund voll ungesagter Dinge schnitt ich bereits schon etwas an, warum ich lieber anonym bleibe: Anonym hat man einen Ort, an dem man seinen ganzen psychischen Ballast abladen kann, reden (oder in meinem Fall schreiben) kann, ohne in mitleidige und/oder hilflose Gesichter blicken zu m├╝ssen, ohne Antworten auf Fragen geben zu m├╝ssen, die man sich nicht stellen will. (An alle, die mich privat kennen: Bitte nehmt das nicht pers├Ânlich, ich bin nur ehrlich und so ist mein Leben schlicht einfacher.) Aber anonym zu bleiben hat noch mehr Vorteile: Zum einen kann man sich so seinen Namen selbst aussuchen, ohne jemanden zu verletzen oder viel Geld im B├╝rokratieapparat des Staates zu lassen. Versteht mich nicht falsch, ich liebe meinen Namen, den ich zur Geburt erhielt und der in meinem Ausweis steht, ich w├╝rde wahrscheinlich nicht mal im Falle einer Hochzeit meinen Nachnamen abgeben wollen und mein Pseudonym setzt sich auch zu gro├čen Teilen aus meinen Vornamen zusammen, aber Alyrene ist einfach ein verdammt cooler Name, den es nicht besonders oft gibt und den ich nicht gern wieder ablegen wollen w├╝rde. Zum andern kann man auch den Vorteil, sich so eine klare Trennung von privatem und ├Âffentlichem Leben zu bewahren, nicht abstreiten. Das macht es deutlich einfacher im Privaten zu entspannen ­čśë Au├čerdem ist nat├╝rlich die Idee von einem Doppelleben einfach cool ­čśÇ

Aber wie gesagt, das letzte Jahr brachte viele Ver├Ąnderungen mit sich. Zu den Dingen, die mir klar(er) geworden sind, z├Ąhlt zum Beispiel, dass ich mein Gesicht nicht mehr verstecken m├Âchte. Ich will, dass ihr wisst, wessen Gedanken ihr hier zu lesen bekommt, wie der Mensch, der hinter all dem steckt aussieht und welches Gesicht ihr mit dem Namen Alyrene gern verkn├╝pfen k├Ânnt. Ich will zu meiner Identit├Ąt stehen k├Ânnen, sobald ich sie gefunden habe (zur Zeit sind da noch einige Fragezeichen). Mir ist klar, dass es eigentlich total unwesentlich ist, wie ich aussehe oder dass ich eigentlich dunkelblonde, absolut glatte Haare habe, aber das hei├čt auch, dass ihr es ruhig wissen k├Ânnt.

Es gibt kein Bild, mit dem ich wirklich zufrieden bin, also hier ein unperfektes Bild von einer unperfekten Aly ­čÖé

Also, das bin ich: St├Ąndig auf der Suche nach mir selbst (die Identit├Ątsfrage ist nach der Sinnfrage wirklich die schwierigste aller Fragen, aber im Gegensatz zu letzterer lohnt es sich wahrscheinlich sie zu fragen), heute 18 Jahre alt (den Blog am eigenen Geburtstag zu gr├╝nden hat schon was), 1,65 m gro├č, viel zufriedener mit roten, welligen Haaren, wei├č, weiblich, westlich privilegiert, deutsche Staatsb├╝rgerin. Vier Monate durfte ich im wundervollen Irland leben und ich hoffe viel Reisen zu k├Ânnen, sobald wir die Pandemie hoffentlich irgendwann ├╝berstanden haben. Ich unterhalte mich gern mit Menschen, besonders mit den ├Ąlteren Generationen, da diese oft viel mehr Lebenserfahrung gesammelt und unter v├Âllig anderen Umst├Ąnden gelebt haben. Die Geschichten, die viele Menschen zu erz├Ąhlen haben, interessieren mich immer wieder aufs neue. Mir wurde einmal gesagt, ich w├╝rde dramatisch schreiben und vielleicht stimmt das ja. Vielleicht bin ich dramatisch, weil ich kleinen ├äu├čerungen, kleinen Handlungen oft gro├če Bedeutungen zuschreibe, weil ich daran glaube, dass die Welt noch zu retten ist und weil mich das Universum, in dem wir leben, in seiner Unendlichkeit fasziniert und regelm├Ą├čig ├╝berfordert (wie gesagt, die Sinnfrage hat vermutlich keinen Platz in der Unendlichkeit). Vielleicht bin ich dramatisch in meinem Enthusiasmus f├╝r Dinge, die mich begeistern und/oder tief ber├╝hren (Menschen, B├╝cher, Musik, Filme, der Planet Erde, etc.). Vielleicht ist dramatisch sein etwas gutes. Oder auch nicht, denn gut und schlecht sind sowieso nur Definitionsfragen.
Ich wei├č (noch) nicht welchem Teil der LGBTQIA+ Community ich mich zugeh├Ârig f├╝hle, aber was ich wei├č ist, dass ich immer ein Ally f├╝r all diese Menschen sein m├Âchte, die wegen ihrer Identit├Ąt diskriminiert, unterdr├╝ckt, ignoriert und angefeindet werden oder sogar Gewalt erfahren. Wir sind alle Menschen, also sollten wir auch allen Chancengleichheit, Menschenrechte und ein Leben in Freiheit erm├Âglichen. Wir sollten unsere Mitmenschen mit Freundlichkeit und Respekt behandeln und f├╝r die k├Ąmpfen, deren Rechte nicht gewahrt sind und die nicht auf diese Weise behandelt werden. Ich wei├č, dass ich eine cis Frau bin, die f├╝r diese Werte einsteht und ich wei├č, dass sich meine anderen Fragen auf der Suche nach meiner Identit├Ąt mit der Zeit noch kl├Ąren werden. Ich freue mich schon wirklich auf den Moment irgendwann als alte Frau, Sicherheit in meinem Sein gefunden zu haben und meine Lebenserfahrung an eine Generation, die hoffentlich in einer besseren Welt lebt als wir heute, weitergeben zu k├Ânnen.

Das bin ich. Irgendwie. In einem Jahr bin ich wahrscheinlich eine andere (mit dem gleichen Kern?). Wer wei├č.

Alles Liebe,
Aly