Blog, Reviews

Blog Entry No. 38 – Kim Jiyoung, geboren 1982

Liebe Leser:innen,

obwohl die Thematik in diesem Buch immer wieder schockierend und unglaublich wichtig ist, wird das eine eher kurze Review. In diesem 37. Blog Eintrag soll es um “Kim Jiyoung, geboren 1982” gehen, ein Buch der koreanischen Autorin Nam-Joo Cho, das den extremen Sexismus, den der Hauptcharakter erdulden muss, scharf auf den Punkt bringt.
Die deutsche Übersetzung wurde am 11. Februar 2021 veröffentlicht und Ihr findet sie unter der ISBN 9783462053289. Mein Exemplar wurde mir von NetGalley.de im Austausch für eine ehrliche Rezension zur Verfügung gestellt.

Cover des Buches, Bild von: https://rdw.hgvcdn.de/
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“In einer kleinen Wohnung am Rande der Metropole Seoul lebt Kim Jiyoung. Die Mittdreißigerin hat erst kürzlich ihren Job aufgegeben, um sich um ihr Baby zu kümmern – wie es von koreanischen Frauen erwartet wird. Doch schon bald zeigt sie seltsame Symptome: Jiyoungs Persönlichkeit scheint sich aufzuspalten, denn die schlüpft in die Rollen ihr bekannter Frauen. Als die Psychose sich verschlimmert, schickt sie ihr unglücklicher Ehemann zu einem Psychiater. Nüchtern erzählt eben dieser Psychiater Jiyoungs Leben nach, ein Leben bestimmt von Frustration und Unterwerfung. Ihr Verhalten wird stets von den männlichen Figuren um sie herum überwacht – von Grundschullehrern, die strenge Uniformen für Mädchen durchsetzen; von Arbeitskollegen, die eine versteckte Kamera in der Damentoilette installieren und die Fotos ins Internet stellen. In den Augen ihres Vaters ist es Jiyoung’s Schuld, dass Männer sie spät in der Nacht belästigen; in den Augen ihres Mannes ist es Jiyoung’s Pflicht, ihre Karriere aufzugeben, um sich um ihn und ihr Kind zu kümmern.” [Kurzbeschreibung zitiert von NetGalley.de]

In “Kim Jiyoung, geboren 1982” wird treffend die unschöne Realität des starken Sexismus in Südkorea dargestellt und informativ mit Statistiken belegt. Die Thematik des Buches ist zweifelsohne extrem wichtig und stilistisch sehr gut verpackt. Mehrfach haben mich Situationen, Handlungen oder Äußerungen der Personen Frauen gegenüber sprachlos gemacht. Aber auch die Einstellung vieler Frauen selbst war schockierend. Die Lebensgeschichte Kim Jiyoungs wurde nüchtern und fast schon trocken beschrieben, was sehr gut zu dem Rahmen passt, dass die Geschichte von ihrem Psychiater erzählt wird. Dennoch ist es mir dadurch schwer gefallen, das Buch wirklich gern zu lesen, es konnte mich nicht fesseln, hat mich nicht in den Bann des Geschehens gezogen. Insgesamt ist “Kim Jiyoung, geboren 1982” von Nam-Joo Cho ein wirklich gutes und authentisches Buch, das man mal gelesen haben sollte.

Die nächsten Rezensionen werden wieder länger, bis dahin wünsche ich Euch eine wunderbare Zeit,
Aly

Blog, Reviews

Blog Entry No. 37 – Über Menschen

Liebe Leser:innen,

ich habe selten ein Buch so sehr verschlungen und in mich aufgesogen wie Juli Zehs Über Menschen. Ich habe gelacht, geweint und mich aufgeregt. Ich habe auf ein Wunder gehofft. Ein Wunder für den Dorf-Nazi. Ich wurde noch nie so subtil und eindringlich davon überzeugt, dass die Welt zu komplex für einfache Betrachtungen und Tatsachen ist und in keinem Protagonisten habe ich mich je so sehr wiedergefunden wie in Dora.

Schon das Cover hat mich total eingenommen. Es ist so schlicht wie aussagekräftig und es ist ein Hund zu sehen (persönlicher Pluspunkt meinerseits), der auf einer Landstraße in die unergründliche Ferne schaut, mit anderen Worten: Schon das Cover ist auf eine tiefberührende Weise poetisch und philosophisch. Was ich aber noch interessanter finde als das Cover ist der Titel: Wie Corpus Delicti kann auch Über Menschen auf verschiedene Arten interpretiert werden. Zum einen stellt er eine simple, aber elementare Tatsache dar: Dies ist ein Buch über Menschen. Nicht mehr und nicht weniger, was immer das auch heißen mag. Passend zum Inhalt ist dies auf jeder Ebene, denn die Fragen des menschlichen Seins, Umgangs und Verhaltens sind zweifellos Schlüsselelemente der Handlung. Im Roman selbst gibt es ein Kapitel mit dem gleichen Titel, in welchem jedoch das Kernelement die Bezeichnung einer bestimmten Menschengruppe als “Übermenschen” ist. Auch so betrachtet, passt diese Interpretation des Titels hervorragend zum Buch, denn die Problematik von Menschen, die sich für besser als andere halten zieht sich durch die gesamte Handlung.

Die Geschichte wird von einem personalen Erzähler aus Doras Perspektive geschildert. Dora, eine Texterin für Werbeagenturen, zieht kurzerhand in die brandenburgische Dorflandschaft nach Bracken als die erste Corona-Welle Deutschland im Griff hat und ihr Lebensabschnittsgefährte Robert immer kontrollsüchtiger und fanatischer wird. Dort, zwischen einem Haus ohne Möbel und einem Beet ohne Saatkartoffeln, trifft sie Menschen, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Ihre Nachbarschaft setzt sich im wesentlichen aus Gote, den sogenannten Dorf-Nazi, Heini, dessen Kommunikation hauptsächlich aus (rassistischen und Anti-Corona-)Witzen besteht, Tom und Steffen, den homosexuellen Blumenhändlern sowie deren portugiesischen Angestellten (Erasmus-Studenten, die sich etwas dazu verdienen wollen) und Sadie, der alleinerziehenden, sehr selten schlafenden Mutter zusammen. Herzzerreißend wird der Roman als Franzi, Gotes Tochter und Spielgefährtin von Doras Hündin Jochen-der-Rochen, ins Spiel kommt und man mehr über Gotes Geschichte erfährt. Da er und Dora direkt nebeneinander, nur durch eine Mauer getrennt voneinander wohnen, ist er für die Handlung entsprechend bedeutend.

Die Handlung ist im Wesentlichen recht simpel. Eine Geschichte aus dem Leben, Alltag, Begegnungen, Entscheidungen und Gefühle wie sie täglich millionenfach vorkommen, eigentlich nichts besonderes. Doch wie schon bei Albert Camus’ Die Pest wird an Über Menschen deutlich, dass großartige Romane keinen großen Spannungsbogen brauchen. Juli Zeh schafft mit ihrem Schreibstil, den Details der geschilderten Gedanken und den durch und durch menschlichen, realistischen Begegnungen ein Werk, in dem man sich wiederfindet, das tief berührt und das man nicht mehr aus der Hand legen will. Sie schuf ein Werk, durch dessen Seiten man nur so fliegt. Sie schuf ein Werk, das auch ohne überspitzten Spannungsbogen, ohne dramatische, ungelöste Entwicklung eines konkreten Konflikts fesselnd und spannend ist. Das zu lösende Mysterium dieses Buches ist kein Mordfall, kein Betrug und keine Rebellion, sondern die elementare Frage des Menschseins, die Wahrnehmung der Welt. Gibt es Handlungen, die einen Menschen unweigerlich zu einem Schlechten machen? Kann man eine Partei wählen, die behauptet, die klassische Familie sei von Homosexuellen bedroht, eine Partei, die sich zum Ziel setzt aus der EU auszutreten und gleichzeitig als homosexueller Blumenhändler portugiesische Erasmus-Studenten beschäftigen? Wie lebt man mit so vielen Widersprüchen in dieser Welt? Wie akzeptiert man die Komplexität des Lebens, die Tatsache, dass man nichts absolut kategorisieren kann, dass es keine absolut richtige Lebensweise gibt?

Neben diesen elementaren Fragen des Menschseins wird jedoch auch, auf eine mich erschreckende, realistische Weise, aktuelles Weltgeschehen thematisiert. Mir war nicht bewusst, wie bekannt mir der Kontrast zwischen Dorf- und Stadt-Leben ist und wie gut ich die Äußerungen selbst aus meinem Alltag kenne, bis ich sie schwarz auf weiß gelesen habe. Sowohl die Corona-Politik betreffend als auch typische “Dorf-Problematiken” wie die Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr oder bestimmte Landwirtschaftsverordnungen, es hat mich fast schon sauer gemacht, wie treffend Über Menschen die Lebensweisen und Meinungen widerspiegelt, die ich selbst immer wieder aus zwei Perspektiven wahrnehme. Natürlich kann man Meinungen nicht verallgemeinern und es gibt immer auch in den Städten Menschen, die ähnliche Ansichten haben wie viele Menschen auf dem Land, jedoch habe ich persönlich, meine eigenen Erfahrungen in diesem Roman an sehr vielen Stellen wiedergefunden. Diese Umstände haben wahrscheinlich auch in weiten Teilen beeinflusst, dass ich mich so gut mit Dora identifizieren konnte. Auch sie kennt beide Lebensweisen, kann sich mit beiden identifizieren und steht irgendwie zwischen den Stühlen. Dora versucht die Welt und die Ereignisse konkret einzuordnen und lernt erst im Laufe der Handlung, Widersprüche zu akzeptieren. Schon an der Art wie ich diesen Beitrag schreibe, fällt auf, dass ich ihr auch dahingehend wahrscheinlich sehr ähnlich bin. Es gibt nicht die eine Lebensweise auf dem Dorf und genauso wenig gibt es eine Meinung in der Stadt, aber es ist leichter komplexe Strukturen in Schubladen zu kategorisieren, anstatt die unbequeme Wahrheit zu akzeptieren, dass nichts einfach ist. Das soll keine Rechtfertigung sein, sondern lediglich eine Feststellung und ein Aspekt, der es mir an Doras Charakter leicht gemacht hat, ihre Lage nachzuvollziehen. Ähnlich gut meine ich auch das im Buch häufiger geschilderte Gefühl von aufsteigenden Bläschen zu kennen, auch wenn ich meine persönliche Erfahrung natürlich anders beschreiben würde (Was mit den Bläschen gemeint ist, wird erst im Kontext der jeweiligen Situation wirklich klar, lest einfach das Buch, wenn es euch stutzig macht ;)). Ich find es schön, mal einen Roman zu lesen, in dem es nicht um die Erfüllung einer Vorstellung von einem schönen Leben geht. Das Leben ist kompliziert und die meiste Zeit über komisch, unschön und niederschmetternd, aber es gibt trotzdem schöne Momente, Personen und Ereignisse für die es sich lohnt morgens aufzustehen und Kaffee zu kochen. So ist das.

+++Achtung, mögliche Spoiler!+++

Des Weiteren finde ich es schön, dass es keine romantische Beziehung für die Charakterentwicklung brauchte. Menschen können sich auch entwickeln ohne sich zu verlieben. Zwar wirkt die Nachbarschaftsfreundschaft an einigen Stellen schon sehr wie eine Familie und man merkt auch wie sehr Gotes gesundheitlicher Zustand Dora mitnimmt, obwohl er “nur ihr Nachbar” ist, aber es gibt kein romantisches Drama, was ich sehr erfrischend finde. Meiner Meinung nach brauchen gute Bücher solche Inhalte nicht. Man benötigt zwischenmenschliche Interaktion, aber keine Romantik, um Entwicklungen voranzubringen. Ein gutes Beispiel ist an dieser Stelle wieder Camus’ Die Pest, auch dieses Werk kommt sehr gut ohne direkte Romanzen aus und ist eines der besten Bücher in meinem Regal, wie ich finde.

+++ Spoiler Ende +++

Die einzige Stelle, die ich kritisch sehe, findet man auf Seite 333 der Hardcover-Ausgabe. An dieser Stelle wird eine mögliche Zukunft eines kleinen Mädchens beschrieben, um zu verdeutlichen, dass das Leben immer weitergeht und nicht anhält. An sich ist das ein sehr schöner Gedanke, jedoch wird diese Zukunft stark heteronormativ und etwas klischeehaft beschrieben. Der Grundgedanke wäre nicht verloren gegangen, hätte man Mensch statt Mann geschrieben.

Insgesamt bleibt Über Menschen aber ein weiteres, absolut gelungenes Werk Zehs. Mit einem großartigen Schreibstil stellt sie subtil immer und immer wieder die wichtigen Fragen des Lebens und erinnert daran, dass wir alle nur Menschen sind, alle irgendwie in dieser Welt zurecht kommen müssen. Sie hat es geschafft, dass ich für einen fiktiven, vorbestraften, queerfeindlichen Übermenschen Tränen vergoss. Sie hat es geschafft, dass ich einen fiktiven, journalistisch arbeitenden Klimaaktivisten für die Art und Weise seines Handelns hasse. Die Welt ist nicht schwarz-weiß. “Wie viele Varianten von Wirklichkeit können nebeneinander existieren, ohne dass das Konzept zusammenbricht?” (S. 309)

Alles Liebe,
Aly

Blog, Reviews

Blog Entry No. 36 – Fragen zu Corpus Delicti

Liebe Leser*innen,

meine schriftlichen Abitur-Prüfungen sind geschrieben und zumindest in meiner Deutsch-Prüfung hatte ich sehr viel Spaß an dem was ich da tat, DENN: ich konnte meine Liebe zu Corpus Delicti ausleben und über 4 Stunden lang erörtern, inwiefern die Diskrepanz zwischen Recht und Rechtsgefühl dargestellt wird und wie sinnvoll das “unversöhnliche” Ende (meiner Meinung nach eins der besten Enden von Büchern, die ich bisher gelesen habe) solcher Werke ist. Ich gebe zu, dadurch, dass Corpus Delicti zu meinen Lieblingsbüchern gehört und eins der wirklich wenigen Werke ist, aus denen ich nahezu fehlerfrei wortwörtlich zitieren kann, habe ich mich natürlich besonders auf dieses Buch vorbereitet, da es mir einfach immer und immer wieder Freude bereitet, es zu lesen und darüber zu reden. Passend dazu (aber leider zu spät, um es noch zur Prüfungsvorbereitung zu verwenden) habe ich gestern Fragen zu Corpus Delicti in der Bibliothek gefunden, direkt gelesen und immer wieder festgestellt, dass es zum einen ein unglaublich gutes Begleitbuch zu Corpus Delicti ist und zum andern gefüllt von inspirierenden wie kontroversen Gedanken ist, verpackt in einen sehr angenehmen Schreibstil. Ich habe es von der ersten bis zur letzten Seite geliebt, verschlungen und jedem empfohlen der mir begegnet ist.

Schon am Cover erkennt man zu welchem Werk dieses Buch gehört: Diese beiden Ausgaben des btb Verlags sind sich extrem ähnlich. Der auffälligste Unterschied ist die Farbe des Buchrückens und die fehlende Nummer der Zellentür. Da die Bücher auch direkt miteinander in Verbindung stehen, ist diese gleiche Gestaltung, meiner Meinung nach, absolut positiv zu bewerten.

Inhaltlich ist Fragen zu Corpus Delicti wie ein Interview aufgebaut, das in thematische Untereinheiten wie “Die Protagonisten” oder “Politische Literatur” geteilt ist. Juli Zeh beantwortet sehr viele und vor allem sehr verschiedene Frage zum Inhalt, zur Entstehung und zum Kontext des Buches, aber auch zu ihrem schriftstellerischen und juristischen Werdegang sowie die Zusammenhänge zwischen diesen Themen.

Das Lesen hat mir nicht nur sehr viel Freude bereitet, weil ich Juli Zehs Schreibstil sehr mag, sondern auch, weil ich einiges dazu gelernt habe und über einige Zusammenhänge des Lebens noch einmal genauer und tiefgründiger nachgedacht habe. So spricht Zeh beispielsweise über spannende Werke, die ihr zur Inspiration dienten und die sie zum Teil auch unbewusst in Corpus Delicti sinngemäß zitierte, die ich bisher noch nicht wirklich auf dem Schirm hatte. Die Probleme der Biopolitik, Prävention und Selbstoptimierung nehmen außerdem eine verdient wichtige Rolle ein und obwohl das dem zugrundeliegende Buch genau diese Zusammenhänge behandelt, wurde mir erst durch Fragen zu Corpus Delicti bewusst, wie viele Bezüge man schon in der aktuellen Gesellschaft wiederfindet, was schlicht schockierend, aber nur schwer vermeidlich ist.

Es gibt im Grunde keine negativen Aspekte an diesem Buch, auch wenn es ein eher untypisches Format ist. Ich möchte allen, vor allem denjenigen die Corpus Delicti bereits kennen (wenn nicht: lest es, es ist ein unglaublich gutes Buch und wenn ihr es nicht lesen wollt, lest Fragen zu Corpus Delicti trotzdem, das Wichtigste wird nochmal erklärt und zitiert), ans Herz legen, dieses Buch unbedingt zu lesen und im besten Fall anschließend mit anderen Menschen darüber zu diskutieren, denn davon lebt unsere Demokratie: Von Debatten, einem Austausch und der Kompromissfindung, die es ohne erstere nicht geben könnte.

Ich werde jetzt direkt das nächste Zeh-Buch beginnen (ihre aktuellste Veröffentlichung: “Über Menschen”) und vielleicht nebenbei noch “Kim Jiyoung, geboren in 1982” beenden. Ich hoffe ihr findet auch etwas Zeit zum Lesen und zum Entspannen.

Ihr hört von mir,
Aly 🙂

PS: Hier noch eins meiner Lieblingszitate: “Die Fähigkeit zum Schmerz macht uns zu Menschen und bringt uns immer wieder ins Zentrum unserer Kraft zurück. Auch wenn die Schrecken der Weltgeschichte etwas anderes vermuten lassen – der Mensch ist ein soziales, moralfähiges, auf das Gute gerichtetes Wesen. Das Schädigen von anderen beruht beim Menschen in den allermeisten Fällen nicht auf einem Willen zum Bösen, sondern auf einem eklatanten Mangel an Empathie.”
– Juli Zeh: “Fragen zu Corpus Delicti”, Seite 57

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Blog Entry No. 35 – Jenseits des Abgrunds

Liebe Leser*innen,

das Buch dieser Woche ist das erste Hardcover, welches ich als Rezensionsexemplar erhielt. Vielen Dank der Penguin Random House Verlagsgruppe. Diesen Roman setzte ich auf meine To-Read-Liste, weil mich der Untertitel faszinierte: “Roman über den Sinn des Lebens”. Ich stelle mir die Frage nach dem Sinn des Lebens wahrscheinlich häufiger, als es meinem Seelenfrieden gut tun würde und ich komme immer wieder zur gleichen, niederschmetternden Antwort: Nichts hat einen absoluten Sinn. Alles was wir tun, erleben und wertschätzen wird irgendwann wieder als Sternenstaub in den unendlichen Weiten des Universums in Vergessenheit geraten (Nichts: Was im Leben wichtig ist von Janne Teller steht schon auf meiner Leseliste). Jedoch gibt es natürlich den subjektiven Sinn im Leben, den ich hin und wieder aus den Augen verliere und der eine wichtige Rolle in Jenseits des Abgrunds von Francesc Miralles und Angeles Donate spielt.

Aber nicht nur der Untertitel, sondern auch das Cover hat mein Interesse sofort geweckt: Wie konnte ich nicht den Blick in ein Buch mit einem so harmonisch türkies-violetten, mit wunderschönen Pflanzen verzierten und einfach so idyllisch gezeichneten Cover werfen? Hinzu kommt noch, dass ein großes Stück meines Herzens dem Meer gehört und auch wenn das Meer im Buch selbst gar keine Rolle spielt, kleidet das friedliche Abbild den Roman hervorragend. Außerdem ist der Schutzumschlag des Hardcovers ein klimaneutral hergestelltes Druckprodukt aus festem Papier, was ich super gut finde, da die Umwelt selbstverständlich auch geschützt und der Klimawandel entschleunigt werden muss, wenn es um Bücher geht.

Die Handlung beginnt mit Toni, der mit der Urne mit der Asche seines toten Bruders Jonathan auf dem Rücksitz durch die Rocky Mountains fährt, um eben jene Asche an einem speziellen Ort zu verstreuen, wie es sich sein Bruder vor seinem Tod wünschte. Die erste Geschichte von einem Leben, das Kosei-San, der zurückgezogen auf einer Felsklippe wohnende Japaner, rettete, erfährt Toni in einem alten Diner von Rose. Ihr Leben wurde wie viele andere von dem mysteriösen Japaner gerettet. Diese Geschichte fasziniert Toni, weshalb er als Journalist gern mehr über Kosei-San erfahren und einen Artikel über ihn schreiben würde. Nicht ahnend wie stark diese Zeit an den Klippen sein Leben verändern würde, stimmt er gern zu, als der Alte ihn auf eine Tasse Tee einlädt.

Jenseits des Abgrunds ist ein Buch voller Dialoge, Geschichten und Schicksale. Man erfährt von vielen unterschiedlichen Menschen, die mit ihrem Leben bereits abgeschlossen hatten, keinen Sinn mehr sahen und aber wie Toni die angebotene Tasse Tee nicht ablehnten. Kosei-San war, meiner Meinung nach, tatsächlich ein Meister darin, den Menschen wieder Lebenswillen und eine Perspektive zu schenken, einfach indem er zuhörte und ein paar Fragen stellte. Der Roman ist außerdem wunderbar geschrieben. Ich flog nur so durch die Seiten und bekam ein wirkliches Gefühl davon, gerade Tee zu trinken und inspirierenden wie niederschmetternden Erzählungen zu lauschen. Obwohl die Schicksale vieler verschiedener Menschen eine wichtige Rolle spielen, beschränkt sich die Handlung des Romans nicht nur darauf, sondern auch der Rahmen, Tonis Geschichte, bleibt das ganze Buch über spannend. Der einzige Punkt, in dem ich etwas enttäuscht wurde, war die Art der Sinnfrage, die thematisiert wurde. Da ich mich selbst sehr oft frage, wie man die elementare Sinnfrage unserer Existenz überwinden kann, hatte ich gehofft, sie würde in Jenseits des Abgrunds zumindest angesprochen. Jedoch wurde sich durchgängig nur mit der subjektiven Sinnfrage, also wie die Individuen ihren Lebenswillen wiedererlangen können, beschäftigt. Diese ist zweifelsohne enorm wichtig und steht in einem engen Zusammenhang zu ersterer Frage, dennoch fehlte mir etwas indem der Unterschied beider Fragen in einem “Roman über den Sinn des Lebens” nicht vorkam.

Insgesamt bleibt Jenseits des Abgrunds aber ein großartiges Buch mit einem sehr angenehmen Schreibstil. Es zu lesen habe ich sehr genossen und ich kann es jedem, vor allem jenen, die vielleicht gerade mit ihrem Leben hadern und/oder gern mal wieder eine schöne Geschichte lesen möchten, nur empfehlen. Aus diesem Grund fällt es mir nicht schwer 5 von 5 Sternen zu vergeben.

Denkt daran Euch hin und wieder eine Auszeit zu nehmen, stressig wird das Leben von allein zu schnell,
Aly

Blog, Reviews

Blog Entry No. 34 – Not My Ruckus

Dear Readers,

today’s review will be on an audiobook (my first one on this blog), which touched me deeply. In what kind of way I will tell you later on, but if you’re capable of hard truths and unpleasant stories, you should definitely give this book a read.

The cover of Not My Ruckus is beautiful. I love that kind of art with the flowers growing between and seemingly melt into the title and the house. It looks gorgeous!

Not My Ruckus is the debut novel of Chad Musick, an author, who “makes no secret of being epileptic, autistic, and arthritic, facts that inform how he approaches both science and the arts” (quote from the information about the author on goodreads). The novel was published on February 16th 2021 by Cinnabar Moth Publishing LLC and Ivy Tara Blair narrated the audiobook, which has a lenght of 8 hours and 32 minutes. You find it with the ISBN 9781953971036.

So far about the dry facts, but the content is far more complex. That’s why I won’t tell too much, the story develops fast and I don’t want to spoiler you important events.
The plot is told by the main character: 14 years old Clare, an incredibly strong person, who cares heartbreakingly much about her loved ones. She lives in a small town in 1980s Texas, grows up in a highly religious and abusive family and neighborhood. The narrations starts with her first kiss with Esther, her neighbour. Sadly, right at the moment of that kiss Esther’s mom is bleeding in the hospital because of a gun shot. The novel starts with a kiss and a murder and develops thrillingly till the last few seconds of the audiobook.

Listening to this book was shocking, thrilling, at some points lovely and definitely eye opening. Musick described so many forms of abuse and violence in families and the neighborhood that I wouldn’t recommend this book for people who are very sensible for such issues, although he only implicitly described the actions and mostly did not write about them in detail. Leaving many things unsaid but imaginable lead to a heart touching, unpleasant reading experience, without using to much horror. I really appreciate his writing style; it made the important issues and events clear and left enough space to create a thrilling novel that needs to be read between the lines sometimes. The author addressed important topics and I was shocked and upset about knowing this is reality for way too many people in this world. Chad Musick wrote an incredibly good and important book with gorgeous character developments (not all though, but the important ones evolved greatly) and a stirring plot.
But I’m also reviewing the audio of the book and to be honest, I didn’t find the narration fitting. My first impression was that the narrator sounds bored and unenthusiastic, which doesn’t fit for a 14 year old girl and such a complex story. Though Ivy Tara Blair made it a bit hard for me to find into the novel, I enjoyed how she changed her voice for the different characters. It made it a lot easier to distinguish between Clare’s narration and direct speech of other people.

All in all Not My Ruckus is a well written, important novel that addresses major issues, but in order to do so writing about abuse and violence is needed, which is essential but maybe not fitting for readers, who aren’t capable of or don’t like reading about disturbing scenes. Consider the trigger warning, it has its reasons. Since I didn’t quite like the narration of the audiobook, I consider reading the ebook or paperback sometime in addition.

Have a great week,
Aly

PS: I received the audiobook from NetGalley in exchange for an honest review. That did not influence my opinion on the book.

Blog

Blog Entry No. 33a – Who am I?

Dear readers,

as I already celebrated in Blog Entry No. 32, Alyrene’s Blog already exists for a whole year. A year, in which a lot of things happened. A year, in which I realized quite a few things. A year that asked at least as many questions as it answered.
When I startet blogging I wanted to stay anonymous at all costs. I only told two or three people about this project and that mainly for practical reasons. In Blog Entry No. 12 – Den Mund voll ungesagter Dinge I already raised the topic a bit, why I prefer to stay anonymous: Anonymous one has a place, where one could unload all of ones psychological ballast, could talk (or in this case write), without having to look into pitiful and/or helpless faces, without having to answer questions, which one wouldn’t want to ask oneself. (To everybody, who knows me privately: Please don’t take that personally, I am just honest and like this my life is easier.) But staying anonymous has even more advantages: For one thing, one can choose ones name oneself without hurting someone or investing a lot of money in the bureaucracy of the state. Don’t get me wrong, I love my name, which I got for my birthday and which is written in my ID, I probably wouldn’t even want to give up my surname in case of a marriage and my pseudonym is to large extent composed of my first name, but Alyrene is just a damn cool name, which isn’t all that widespread and I wouldn’t want to let go of it again. On the other hand the advantage of keeping that kind of clear distinction of private and public life is undeniable. That makes it way easier to relax in private 😉 Furthermore the idea of a secret identity is obviously just cool 😀

But, as I said, the last year brought a lot of change with it. One of the things that I have realized (more), is for example that I don’t want to hide my face anymore. I want you to know, whose thoughts you get to read here, how the human that is behind all of this looks and which face you can gladly connect with the name Alyrene. I want to stand by my identity, once I have found it (at this point in time there are still a few question marks). It is clear to me that it is actually totally insignificant how I look or that I actually have dark blonde, absolutely straight hair but this also means that you can know it.

There is no picture in existence with which I would be satisfied, so here you have an imperfect picture of an imperfect Aly 🙂

So that’s me: Constantly on the search for myself (the question of identity is, besides the question of the meaning of life, really the hardest of all the questions but in contrast to the latter, it is probably worth asking it), 18 years old today (founding the blog on my birthday really has something to it), 1,65 m high, much more content with red, wavy hair, white, west privileged, German Citizen. Four months I was able to live in wonderful Ireland and I hope to be able to travel a lot, once this pandemic is hopefully over at some point. I like to talk with people, especially with the older generations, because they often have collected much more life experience and lived under totally different circumstances. The stories, which many people have to tell, interest me again and again. I was once told I would be write dramatically and maybe that is true. Maybe I am dramatic, because I often attribute big meanings to small comments, small actions, because I believe that it is still possible to save the world and because the universe, in which we live, fascinates and overwhelms me in its infinity regularly (as I said, the question of the meaning of life probably has no place in the infinity). Maybe I am dramatic in my enthusiasm for things that excite me and/or deeply touch me (humans, books, music, movies, the planet earth, etc.). Maybe being dramatic is something good. Or not, since good and bad are only questions of definition anyway.
I don’t know (yet), in which part of the LGBTQIA+ community I feel to belong, but what I know is that I will always want to be an ally for all of these people, who, because of their identity, are discriminated, oppressed, ignored and experience hostility or even violence. We are all humans, so we should enable equal opportunities, human rights and a life in freedom to everybody. We should treat our fellow human beings with kindness and respect and fight for those, whose rights are not preserved and who are not treated this way. I know that I am a cis woman, who stands for these values and I know that my other questions will be answered on my search for my identity. I am already looking forward to the moment, as an old woman, having found security in my being and passing on my life experience to a generation, which hopefully lives in a better world than us today.

That is me. Somehow. In one year I will probably be a different person (with the same core?). Who knows.

Yours sincerely,
Aly

Blog

Blog Entry No. 33 – Wer bin ich?

Liebe Leser*innen,

wie ich in Blog Entry No. 32 bereits zelebrierte, gibt es Alyrene’s Blog nun schon ein Jahr. Ein Jahr, in dem viel passiert ist. Ein Jahr, in dem mir einiges klar geworden ist. Ein Jahr, dass mir mindestens genauso viele Fragen wie Antworten gegeben hat.
Als ich mit dem Bloggen angefangen habe, wollte ich um jeden Preis anonym bleiben. Ich habe nur zwei oder drei Personen von diesem Projekt erzählt und das auch hauptsächlich nur aus praktischen Gründen. In Blog Entry No. 12 – Den Mund voll ungesagter Dinge schnitt ich bereits schon etwas an, warum ich lieber anonym bleibe: Anonym hat man einen Ort, an dem man seinen ganzen psychischen Ballast abladen kann, reden (oder in meinem Fall schreiben) kann, ohne in mitleidige und/oder hilflose Gesichter blicken zu müssen, ohne Antworten auf Fragen geben zu müssen, die man sich nicht stellen will. (An alle, die mich privat kennen: Bitte nehmt das nicht persönlich, ich bin nur ehrlich und so ist mein Leben schlicht einfacher.) Aber anonym zu bleiben hat noch mehr Vorteile: Zum einen kann man sich so seinen Namen selbst aussuchen, ohne jemanden zu verletzen oder viel Geld im Bürokratieapparat des Staates zu lassen. Versteht mich nicht falsch, ich liebe meinen Namen, den ich zur Geburt erhielt und der in meinem Ausweis steht, ich würde wahrscheinlich nicht mal im Falle einer Hochzeit meinen Nachnamen abgeben wollen und mein Pseudonym setzt sich auch zu großen Teilen aus meinen Vornamen zusammen, aber Alyrene ist einfach ein verdammt cooler Name, den es nicht besonders oft gibt und den ich nicht gern wieder ablegen wollen würde. Zum andern kann man auch den Vorteil, sich so eine klare Trennung von privatem und öffentlichem Leben zu bewahren, nicht abstreiten. Das macht es deutlich einfacher im Privaten zu entspannen 😉 Außerdem ist natürlich die Idee von einem Doppelleben einfach cool 😀

Aber wie gesagt, das letzte Jahr brachte viele Veränderungen mit sich. Zu den Dingen, die mir klar(er) geworden sind, zählt zum Beispiel, dass ich mein Gesicht nicht mehr verstecken möchte. Ich will, dass ihr wisst, wessen Gedanken ihr hier zu lesen bekommt, wie der Mensch, der hinter all dem steckt aussieht und welches Gesicht ihr mit dem Namen Alyrene gern verknüpfen könnt. Ich will zu meiner Identität stehen können, sobald ich sie gefunden habe (zur Zeit sind da noch einige Fragezeichen). Mir ist klar, dass es eigentlich total unwesentlich ist, wie ich aussehe oder dass ich eigentlich dunkelblonde, absolut glatte Haare habe, aber das heißt auch, dass ihr es ruhig wissen könnt.

Es gibt kein Bild, mit dem ich wirklich zufrieden bin, also hier ein unperfektes Bild von einer unperfekten Aly 🙂

Also, das bin ich: Ständig auf der Suche nach mir selbst (die Identitätsfrage ist nach der Sinnfrage wirklich die schwierigste aller Fragen, aber im Gegensatz zu letzterer lohnt es sich wahrscheinlich sie zu fragen), heute 18 Jahre alt (den Blog am eigenen Geburtstag zu gründen hat schon was), 1,65 m groß, viel zufriedener mit roten, welligen Haaren, weiß, weiblich, westlich privilegiert, deutsche Staatsbürgerin. Vier Monate durfte ich im wundervollen Irland leben und ich hoffe viel Reisen zu können, sobald wir die Pandemie hoffentlich irgendwann überstanden haben. Ich unterhalte mich gern mit Menschen, besonders mit den älteren Generationen, da diese oft viel mehr Lebenserfahrung gesammelt und unter völlig anderen Umständen gelebt haben. Die Geschichten, die viele Menschen zu erzählen haben, interessieren mich immer wieder aufs neue. Mir wurde einmal gesagt, ich würde dramatisch schreiben und vielleicht stimmt das ja. Vielleicht bin ich dramatisch, weil ich kleinen Äußerungen, kleinen Handlungen oft große Bedeutungen zuschreibe, weil ich daran glaube, dass die Welt noch zu retten ist und weil mich das Universum, in dem wir leben, in seiner Unendlichkeit fasziniert und regelmäßig überfordert (wie gesagt, die Sinnfrage hat vermutlich keinen Platz in der Unendlichkeit). Vielleicht bin ich dramatisch in meinem Enthusiasmus für Dinge, die mich begeistern und/oder tief berühren (Menschen, Bücher, Musik, Filme, der Planet Erde, etc.). Vielleicht ist dramatisch sein etwas gutes. Oder auch nicht, denn gut und schlecht sind sowieso nur Definitionsfragen.
Ich weiß (noch) nicht welchem Teil der LGBTQIA+ Community ich mich zugehörig fühle, aber was ich weiß ist, dass ich immer ein Ally für all diese Menschen sein möchte, die wegen ihrer Identität diskriminiert, unterdrückt, ignoriert und angefeindet werden oder sogar Gewalt erfahren. Wir sind alle Menschen, also sollten wir auch allen Chancengleichheit, Menschenrechte und ein Leben in Freiheit ermöglichen. Wir sollten unsere Mitmenschen mit Freundlichkeit und Respekt behandeln und für die kämpfen, deren Rechte nicht gewahrt sind und die nicht auf diese Weise behandelt werden. Ich weiß, dass ich eine cis Frau bin, die für diese Werte einsteht und ich weiß, dass sich meine anderen Fragen auf der Suche nach meiner Identität mit der Zeit noch klären werden. Ich freue mich schon wirklich auf den Moment irgendwann als alte Frau, Sicherheit in meinem Sein gefunden zu haben und meine Lebenserfahrung an eine Generation, die hoffentlich in einer besseren Welt lebt als wir heute, weitergeben zu können.

Das bin ich. Irgendwie. In einem Jahr bin ich wahrscheinlich eine andere (mit dem gleichen Kern?). Wer weiß.

Alles Liebe,
Aly

Blog

Blog Entry No. 32a – To another year

Dear readers,

one year ago I brought this blog to life without being entirely sure where that would bring me and what an enrichment it would be to my life. I just startet to write, then forgot about it for almost a whole summer and in autumn finally found out, which concrete use I could assign to Alyrene’s Blog: book reviews. By now books define almost completely the content of my blog and it’s great this way. To the question on which language to use, which I continuously asked myself throughout the last year, I still don’t have an answer, mainly because I don’t know, if You, my dear readers, prefer to read English or German 😉 Therefore, currently I write based on my gut feeling: Books, which I read in German, I review in German, English-speaking ones in English and for all the other posts it depends on the time I have, my motivation and the context of the post, if I write in my native language or not. I will probably use this method in the future until I find a better way of doing it that is easy to realize.

In celebration of today a little résumé shouldn’t be missing: In one year I published 40 blog posts, 77 humans like my blog so much, they are following it now (big thanks at this point to all of You! Without You I probably wouldn’t be as motivated to continue this project.) and 531 persons visited Alyrene’s Blog. That is terrific! I am overjoyed that this little website goes so well. And the Instagram-account is an enrichment too. The exchange and inspiration, which bookstagram brings with it, are great and definitely wouldn’t want to miss them. Pinterest on the other hand didn’t go so well, which probably is because I neglected it but I think that is fine. One can’t be active one all channels without a break. Therefore, I will probably delete the Pinterest account that accompanies the blog and use that platform solely for private issues, it was worth a try.

Obviously, in a retrospective of a book blog the read books mustn’t be missing, that’s why following there is a collage of all the books that I reviewed here in the last 365 days:

Nothing came close to these five absolute highlights:

  1. “La Peste” by Albert Camus
  2. “Corpus Delicti” by Juli Zeh
  3. “Dort wo die Sterne im Wasser leuchten” by Clara Blais
  4. “Clap When You Land” by Elizabeth Acevedo
  5. “Wir Leuchten” by Joe Rain

So much for the past. Now a few words about what is planned for the future (It’s easier to party with anticipation :D). In the last few months I realized more and more often that people constantly find less time to read and consequently are blogs, whose topic is books, which also demand time to be read, relatively rarely completely read. This is quite a pity, because those posts always contain considerable time, thought and work. Since I have the feeling the people don’t lack the interest but rather time, the idea to create the blog’s own podcast (basically posts set to music) developed continuously to become an actual plan. Because I don’t know the necessary technology all that well, I will work more closely with Deimos again (some of You might remember his support with the December posts). A concrete timetable however is not yet set.

After I am done with my graduation in a little more than a month, I hopefully have finally a lot of time over the summer to read and blog again, I am already very curious for the next books. There will definitely be the new book by Moses Mikheyev: “Bodies: A Romantic Bloodbath”, Michael Peinkofers “Splitterwelten”, “Not My Ruckus” by Chad Musick as well as “Jenseits des Abgrunds” by Frances Miralles and Ángeles Doñate.

Now I will enjoy this day, which is, besides the birthday of my blog, also mine and that of my brother. To everybody that has a reason to celebrate today and also to everybody, for whom today is just a normal Wednesday in April, I wish from my heart the best.

A big, big Thank You to everybody, who read my thoughts turned into posts! You are great! To our paths, so that they do not part again immediately, to another year!

Yours sincerely,
Aly

PS: Dear big brother, if you read this: Happy Birthday! ❤
PPS: Hughe thanks to Deimos, who translated main parts of this post.

Blog

Blog Entry No. 32 – Auf ein weiteres Jahr

Liebe Leser*innen,

vor einem Jahr rief ich diesen Blog ins Leben, ohne mir groß klar darüber zu sein, wohin das alles führen sollte und welche Bereicherung er meinem Leben sein würde. Ich habe einfach drauf los geschrieben, einen Sommer lang fast vollständig vergessen zu bloggen und im Herbst dann doch noch herausgefunden, welchen konkreten Zweck man Alyrene’s Blog zuschreiben könnte: Buchrezensionen.
Bücher bestimmen mittlerweile fast vollständig den Inhalt meines Blogs und das ist auch gut so. Auf die Frage der Sprache, die ich mir seit einem Jahr regelmäßig stelle, habe ich immer noch keine Antwort gefunden, vor allem da ich auch nicht wirklich weiß, ob Ihr, meine lieben Leser, Beiträge lieber auf Deutsch oder auf Englisch lest 😉 Deshalb schreibe ich aktuell eher nach Gefühl: Bücher, die ich auf Deutsch gelesen habe, rezensiere ich auch auf Deutsch, englischsprachige Bücher auf Englisch und bei allen anderen Artikeln liegt es an meiner Zeit, Motivation und dem Kontext des Beitrages, ob ich in meiner Muttersprache schreibe oder nicht. Ich werde diese Methode wahrscheinlich so auch noch etwas weiter führen, bis ich einen besseren Weg finde, der sich für mich gut umsetzen lässt.

Zur Feier des Tages gehört natürlich auch ein kleines Résumé: In einem Jahr habe ich 40 Blogbeiträge veröffentlicht, 77 Menschen haben meinen Blog für so gut befunden, dass sie ihm folgen (riesigen Dank an der Stelle an jeden von Euch! Ohne Euch wäre ich wahrscheinlich nicht so motiviert dieses Projekt weiterzuführen.) und 531 Personen haben Alyrene’s Blog besucht. Das ist der Wahnsinn! Ich bin überglücklich, dass diese kleine Website so gut läuft. Und auch der Instagram-Account ist eine absolute Bereicherung. Der Austausch und die Inspiration, die Bookstagram mit sich bringt, sind großartig und ich würde sie definitiv nicht missen wollen. Pinterest lief dagegen nicht so gut, was wahrscheinlich einfach daran liegt, dass ich es vernachlässigt habe, aber ich finde das ist in Ordnung. Man kann nicht auf allen Kanälen pausenlos aktiv sein. Deshalb werde ich wahrscheinlich meinen blogbegleitenden Account bei Pinterest wieder löschen und die Plattform wieder ausschließlich privat nutzen, den Versuch war es zumindest Wert.

Bei einem Rückblick eines Buchblogs dürfen natürlich die gelesenen Bücher nicht fehlen, deshalb hier eine Collage aus allen Büchern, die ich in den letzten 365 Tagen hier rezensiert habe:

Meine fünf absoluten Highlights waren dabei unbestritten:

  1. “Die Pest” von Albert Camus
  2. “Corpus Delicti” von Juli Zeh
  3. “Dort wo die Sterne im Wasser leuchten” von Clara Blais
  4. “Clap When You Land” von Elizabeth Acevedo
  5. “Wir Leuchten” von Joe Rain

So viel zum Vergangenen. Nun noch ein paar Worte zum zukünftig Geplanten (mit Vorfreude feiert es sich einfach besser :D). Mir ist in den letzten Monaten immer häufiger aufgefallen, dass die Menschen immer weniger Zeit finden, zu lesen und dementsprechend auch Blogs, deren Thematik auch noch Bücher ist, welche ebenfalls einiges an Zeit beanspruchen, um gelesen zu werden, relativ selten wirklich vollständig gelesen werden. Das ist ziemlich schade, weil auch immer einiges an Zeit, Gedankengut und Arbeit in den Beiträgen steckt. Da ich das Gefühl habe, dass es den Menschen nicht an Interesse, sondern nur an Zeit mangelt, ist die Idee einen Blogeigenen Podcast zu erstellen (also im Grunde die Beiträge zu vertonen) in den letzten Monaten immer mehr zu einem tatsächlichen Plan geworden. Da ich mich aber selbst nur sehr schlecht mit der dazu erforderlichen Technik auskenne, werde ich an dieser Stelle wahrscheinlich wieder enger mit Deimos zusammenarbeiten (einige erinnern sich vielleicht an seine Unterstützung bei den Dezember-Posts). Ein konkreter Zeitplan steht allerdings noch nicht.
Nachdem ich in etwas mehr als einem Monat dann auch mit meinem Abitur durch bin, habe ich hoffentlich den Sommer über endlich wieder viel Zeit zum Lesen und Bloggen, ich bin schon sehr auf die nächsten Bücher gespannt. Dabei sein wird auf jeden Fall das neue Buch von Moses Mikheyev: “Bodies: A Romantic Bloodbath”, Michael Peinkofers “Splitterwelten”, “Not My Ruckus” von Chad Musick sowie “Jenseits des Abgrunds” von Frances Miralles und Ángeles Doñate.

Nun geh ich diesen Tag genießen, der neben dem Geburtstag meines Blogs auch der meines Bruders und mein eigener ist. Allen, die heute auch einen Grund zum Feiern haben und auch allen, für die heute nur ein gewöhnlicher Mittwoch im April ist, wünsche ich von Herzen das Beste.

Vielen, vielen Dank allen, die das hier und auch meine anderen zu Blogbeiträgen gewordene Gedanken lesen! Ihr seid großartig! Auf dass sich unsere Wege noch nicht gleich wieder trennen, auf ein weiteres Jahr!

Alles Liebe,
Aly

PS: Lieber großer Bruder, falls du das hier jemals liest: Alles Gute zum Geburtstag! ❤

Blog, Reviews

Blog Entry No. 31 – Mädchen, Frau etc.

Liebe Leser*innen,

in der letzten Woche haben Bernadine Evaristos Worte nicht nur mein elektronisches Bücherregal (an dieser Stelle vielen Dank an NetGalley, wodurch ich dieses großartige Buch als eBook lesen durfte), sondern auch mein Bewusstsein und meinen Geist bereichert. Solltet Ihr noch überlegen, ob Ihr Mädchen, Frau etc. kaufen wollt, kann ich euch versichern, dass die darin geschilderten Perspektiven jeden Cent wert sind.

Das Cover ist mit Abstand eines der farbenfrohsten meines Regals und die starken, gesättigten Farben stehen im Kontrast zu der schwarz-weißen Gestaltung der Schrift und der Silhouette. Trotz der zahlreichen Kontraste (Schwarz/Weiß; Komplementärfarben Violett/Gelb; verschiedenste Formen, usw.), den klaren Linien und den satten Farben, was insgesamt sehr viel Energie und Kraft ausstrahlt, erscheint das Cover harmonisch und ist angenehm zu betrachten. Meiner Meinung nach passt diese Gestaltung perfekt zum Inhalt des Buches, zu den vielen verschiedenen Geschichten von starken, unabhängigen, wundervollen Frauen. Müsste ich nur nach dem Cover entscheiden, welche Bücher ich lese, hätte dieses auch dann den Weg in meine Hände gefunden.

Mädchen, Frau etc. von Bernadine Evaristo erschien am 23. Januar 2021 im Klett-Cotta Verlag, nachdem das britische Original bereits am 2. Mai 2019 veröffentlicht wurde und noch im selben Jahr, neben weiteren, späteren Preisen, den Booker Prize erhielt. Ihr findet das Buch unter der ISBN 978-3-608-50484-2.

Evaristo beschreibt in ihrem Roman die Lebensgeschichten von 11 Frauen und einer Person, welche sich als non-binary identifiziert und in einem weiblichen Körper geboren wurde. Jede Person erhielt ihr eigenes Unterkapitel, in welchem dann die Ereignisse aus der Perspektive dieses Menschen geschildert wurden, oft auch in einer für diesen typischen Sprache, wodurch die Charaktere authentisch wirkten. Jedoch standen alle Kapitel in einem Zusammenhang: Zentrum der Handlung war im wesentlichen die Premiere des von Amma inszenierten Stücks: “Die letzte Amazone von Dahomey”. Alle Personen, welche für ein Unterkapitel die Hauptperson waren, waren entweder bei der Premiere anwesend, lasen davon oder waren mit jemandem verwandt, der dort war. Abgesehen von Penelope identifizierte sich auch kein Charakter als weiß, alle wurden entweder selbst auf dem afrikanischen Kontinent geboren oder hatten enge Verwandtschaft, für die das zutraf.

Inhaltlich stellt Mädchen, Frau etc. einen herausragenden, wichtigen und längst überfälligen Einblick in das Leben von Frauen dar, die mit sehr viel Leid, Verlust und Diskriminierung leben mussten und müssen. Außerdem wird mehr als deutlich gezeigt, wie unterschiedlich die Haltung von Menschen sein kann, die eigentlich das Gleiche erreichen wollen. Besonders gut hat mir aber die Gegenüberstellung der verschiedenen Generationen gefallen, die zum einen die Entwicklung der Gesellschaft sehr deutlich gemacht hat, aber zum andern auch darauf aufmerksam macht, den älteren Generationen zuzuhören, aus ihren Erfahrungen zu lernen und zu versuchen sie zu verstehen. Meiner Meinung nach schuf Evaristo mit diesem Roman ein hochpolitisches Werk, das Augen öffnet und dazu aufruft, den Fokus auf die wesentlichen Werte, auf deren Herstellung und Wahrung fast alle Bewegungen hinarbeiten, nicht zu verlieren.

Obwohl dieses Werk inhaltlich großartig und schwer von Bedeutung ist, kann ich leider trotzdem keine 5 von 5 Sterne vergeben. Der Schreibstil hat mir besonders zu Anfang Probleme bereitet. Man findet außer Kommas, Frage- und Ausrufezeichen keinerlei Satzzeichen. Sätze sind als Absätze gekennzeichnet und wörtliche Rede war lediglich am Wechsel der verwendeten Personalpronomen zu erkennen. Natürlich zeigt dies eine spezielle, fast schon poetische Stilistik, jedoch habe ich mich bis zum Ende nicht völlig daran gewöhnen können. Deshalb konnte ich während des Lesens nicht so in die jeweilige Geschichte eintauchen, wie es bei anderen Büchern möglich ist und brauchte mehrere Anläufe mich zu motivieren, weiter zu lesen. Das ist bei einem Buch mit so wichtigem Inhalt extrem schade.

Dennoch bleibt Mädchen, Frau etc. ein sehr gutes Buch mit einer zweifellos wirklich wichtigen Thematik. Trotz des anstrengenden Schreibstils, sollte jeder diesen Roman mindestens einmal gelesen haben und sich die Bedeutung dieser keineswegs selten vorkommenden Geschichten und Ereignisse bewusst machen. Diese Worte Bernadine Evaristos sind eine Bereicherung für jedes Bücherregal.

Ich hoffe Euch geht es gut und ihr könnt die kommende Woche genießen,
Aly