Blog, Reviews

Blog Entry No. 47 – Schöne Welt, wo bist du

Liebe Leser*innen,

heute geht es um ein Buch einer irischen Schriftstellerin. Diese Rezension kommt tatsächlich nicht nur so lang nach Beenden des Buches, weil mein Leben chaotisch ist, sondern auch, weil ich erst mal einige Zeit brauchte, um über Schöne Welt, wo bist du nachzudenken. Nun findet ihr meine Gedanken gesammelt an einem Ort, viel Spaß beim Lesen:

Schöne Welt, wo bist du, im Original Beautiful World, where are you, wurde von der Irin Sally Rooney geschrieben und am 7. September diesen Jahres veröffentlicht. Das deutschsprachige Hörbuch, zu finden unter der ISBN 9783957132529, erschien im Hörbuch Hamburg Verlag, umfasst eine Hördauer von 11 Stunden und wurde von Julia Nachtmann gesprochen. Mir wurde ein Exemplar des Hörbuches von NetGalley im Austausch einer ehrlichen Rezension zur Verfügung gestellt.

Klappentext: Alice trifft Felix. Sie ist eine erfolgreiche Schriftstellerin, er arbeitet entfremdet in einer Lagerhalle. Sie begehren einander, doch können sie einander auch trauen? Alices beste Freundin Eileen hat eine schmerzvolle Trennung hinter sich und fühlt sich aufs Neue zu Simon hingezogen, mit dem sie seit ihrer Kindheit eng verbunden ist. Sie lieben sich, doch ist der Versuch der Liebe den Verlust ihrer Freundschaft wert?
Zwischen Dublin und einem kleinen Ort an der irischen Küste entfaltet Sally Rooney eine Geschichte von vier jungen Menschen, die sich nahe sind, die einander verletzen, die sich austauschen: über Sex, über Ungleichheit und was sie mit Beziehungen macht, über die Welt, in der sie leben. »Schöne Welt, wo bist du« ist eine universelle Geschichte über den Raum zwischen Alleinsein und Einsamkeit und über die Freiheit, sein Leben mit anderen zu teilen – überwältigend klug, voller Klarheit und Trost.

Ich habe kurz überlegt, den Inhalt noch einmal kurz mit eigenen Worten zusammenzufassen, aber der Klappentext verrät im Grunde bereits alles wichtige.

Ich mochte den Schreibstil sehr. Besonders die E-Mails zwischen Alice und Eileen, die man immer wieder lesen/hören konnte, waren an vielen Stellen sehr philosophisch und inspirierend. Leider war der eigentliche Plot des Buches nicht wirklich vorhanden. Alles wirkte sehr nach einer Standard-Romanze, in der es im wesentlichen auch nur darum geht, wie sich die Beziehungen entwickeln. Diese Art des Plots kann spannend sein, aber in Schöne Welt, wo bist du fehlte mir schlicht die Tiefe der Charaktere und der Spannungsbogen der Geschichte. Hinzu kommt, dass alles ziemlich voraussehbar war.

Wie gesagt, die E-Mails regten im Gegensatz zum Plot an einigen Stellen doch sehr zum Nachdenken an, jedoch stehe ich besonders einer Aussage sehr kritisch gegenüber. Wie ich es bereits in meinem Beitrag zu Fridays For Future angedeutet habe, meint Eileen an einer Stelle ihrer Mail, dass die Welt vielleicht gerade deshalb untergeht, weil wir Menschen nur an Freundschaft, Sex und Liebe denken und uns deshalb nicht mehr um den Planeten kümmern. Ihrer Meinung nach wäre das doch eigentlich ein schöner Grund, warum die Welt untergeht. Diese Aussage halte ich für sehr problematisch, denn sie ist zwar wahrscheinlich romantisch gemeint (wie in den Filmen, in denen sich das Liebespaar in dem Moment das erste mal küsst und ‘endlich vereint ist’, in dem um sie herum alles zusammen bricht, das Schiff untergeht oder ein Vulkan ausbricht), berücksichtig aber in keinster Weise, dass dann nichts desto weniger trotzdem alle Menschen sterben, inklusive der geliebten Personen im direkten Umfeld. Zerstörtes Leben bleibt zerstörtes Leben und man sollte alles dafür tun, Leben zu schützen.

Ein weiterer Punkt, den ich gern ansprechen würde, ist die Bi-Repräsentation im Buch, denn sie ist vorhanden, was mich an sich sehr gefreut hat, aber ich stehe ihr dennoch mit gemischten Gefühlen gegenüber. Gut fand ich, dass thematisiert wurde, wie wenig vor allem Bi-Männer gesellschaftlich akzeptiert werden und dass zumindest bei Alice nicht das typische Klischee bedient wurde, hinsichtlich des unbegründeten Vorurteils bisexuelle Menschen würden mit jeder Person schlafen, die nicht bei 3 auf dem Baum ist. Was ich jedoch kritisch sehe, ist das abgesehen von zwei bisexuellen Figuren das restliche Umfeld voll und ganz in die Cis-Hetero-Norm passt, was ich für nicht repräsentativ und kein Stück realistisch halte. Queere Menschen kommen selten so vereinzelt vor. Wo ist die queere Community der beiden?!

Extrem kritisch fiel mir außerdem die Szene in Italien auf, in der Alice und Felix darüber reden, welche moralisch verwerflichen Sachen sie in ihrem Leben schon gemacht haben. Um Spoiler zu vermeiden, werde ich jetzt nicht auf Details eingehen, gesagt sei jedoch, dass an dieser Stelle Handlungen und Ansichten auf, wie ich finde, sehr unangebrachte Weise in Relation gesetzt wurden, die eindeutig unabhängig voneinander auch außerhalb eines Romans gesellschaftlich mehr thematisiert sowie angemessen und stärker kritisiert werden sollten.

Alles in allem war Schöne Welt, wo bist du ein netter Roman, der an einigen Stellen durchaus inspirierend war und zu Diskussion anregen kann, aber den extremen Hype kann ich absolut nicht nachvollziehen. Meiner Meinung nach war das Buch als solches – denn als Hörbuch wurde es wirklich angenehm gelesen – einfach nicht wirklich gut, sondern eher ziemlich langweilig. Die E-Mails hätte man auch in einer Essay-Sammlung oder Ähnlichem veröffentlichen können.

Ich wünsche Euch noch einen schönen Sonntag und bleibt gesund,
Aly

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Blog Entry No. 46 – Things To Do Before The End Of The World

Dear Readers,

as always: I review the books in English, which I read in English, but it has been a while since I wrote the last one in the English language, so there might be a few more mistakes than usual. Don’t be shy to tell me, if you find any 😉
This is one of my summer-reads (actually my main summer-read, because I didn’t manage to read as much as I wanted to).

Things To Do Before The End Of The World (I’m gonna shorten it to “TtdBtEotW” from now on) was published on May 6th 2021 by Penguin. The paperback comprises 358 pages, you can find it with the ISBN 0241345278. I bought this one for myself in my second-most favorite bookstore at home. Emily Barr is a bestselling author known for writing Young Adult Thriller (I think TtdBtEotW perfectly fits in those genres), maybe you know The One Memory of Flora Banks (2017) or The Truth and Lies of Ella Black (2018).

Plot: One minute you’re walking in the park, hiding from a party. Then you discover that the next nine months will probably be your last. Everyone’s last. You realise that you happen to be alive at the time when your species becomes extinct.
You have to decide whether to go with it meekly like you usually do, or to do something brave, to live your last months with all the energy and bravery you can muster, to rage against the dying of the light.

Olivia struggles to live her real life as fully as she wants to. She plans out conversations and events in her head but actually doing them and interacting with other people is hard. When the news breaks that humans have done such damage to the earth that there’s only nine months of safe air left everybody makes bucket lists and starts living their best lives – everyone, that is, but Olivia who is still struggling to figure out who she wants to be.
Then out of the blue comes contact from a long-lost cousin Olivia didn’t even know exsisted. Natasha is everything Olivia wants to be and more. And as the girls meet up for their last summer on earth Olivia finds Natasha’s ease and self-confidence having a effect on her. But what if Natasha isn’t everything she first appears to be . . . ?

After all, I’m not quite sure why I bought the book in first place. I mean, the cover is beautiful with its shiny letters, the blury Paris skyline and its overall mostly red appearance (red is one of my favourite colours, maybe I got influenced more or less subconsciously or something), but I remember going to the bookstore that day with the thought in my head that I really need more queer content in my bookshelf. Though TtdBtEotW actually contains a queer main character that’s basically already it and it isn’t even recognizable from the plot summary on the back or the first pages or something (Which is a good thing regarding the queerness wasn’t used to market it). Well, maybe it was the perspective of the upcoming summer and climate change combined with the pretty cool chapter design – every chapter is named like a thing on a to do list. However, I bought it, read it and reviewed it, here you go:

I really liked the style of writing. Even though I didn’t quite like the plot building (gonna talk about it) the book was still catching and I think that’s mainly because of the engaging and personal writing style. The reader gets to know Olivias (aka Libby) perspective, so it’s like experiencing the story for oneself which makes reading it emotional. Also, I liked the main character herself. I was able to relate to her very well – probably because of my personal experiences of being a shy introvert, not being brave enough to talk to/kiss the human I like and because I know how much guts it takes to travel alone or with people one doesn’t know long enough – though I got a little annoyed with her in the end, it made her appear more human and real, because it didn’t become to much. Frankly, I didn’t quite get her mom till the very end, but that’s alright I guess, it fitted the story. To say one last thing about the characters: Olivias dad and Zoe are great, I really liked them and their development (though I would have loved to read more about Zoes growth).
Coming to the unpleasant part of the review: The reason why I just gave 3 out of 5 stars: The idea behind the plot is gorgeous, I loved reading about what people do, knowing they won’t have long to live on earth, I loved reading about the last summer and I loved reading about Olivias personal growth, but the actual plot wasn’t nearly as satisfying as I thought it would be. The main part of the book is about how Natasha comes into the lives of Libby and her family and creates a big deal of chaos. While reading I got the impression nothing really happend till the last quarter of the book. Of course, the plot twist needs preparation and some things must have happened in order to keep the story going, but it only became thrilling as the book was nearly finished. Also, there have been some pretty obvious hints which lead to an “I told you so”-impression reading the big thrilling point of TtdBtEotW. But nevertheless I liked the ending the most. I enjoyed how the situation was solved and loved reading the last few pages, because they contain big emotions and are written in a philosophical/emotional way. Maybe you know that I always read the first and the last sentence of a book before starting to read it; those two sentences of TtdBtEotW are some of my favourites: “You know when you worry about everything all the time?” “I
breathed.”

In summary, Barrs book was a nice summer-read that made me think about how society would react knowing the world was ending and what I would do with my life, if I got such a message and though the ending was great and I liked the characters, it wasn’t much more than a nice book. But before I leave you with the question what you would wanna do before human life ends on this planet (please feel free to comment if you like, it would really interest me), I’ll give you the List of my Things to do before the end of the world as it stands now.

Visit my brother and his family in Australia (in terms of the book probably with a ship and then stay there till the end). Do a parachute jump. Get at least one tattoo (actually already planned). Tell the girl, that made me realize I’m not straight, how much I like her. Tell the people I love that I love them. Be happy. No need to hide.

To be fair, the last ones are quotes, but my favourite part of TtdBtEotW summarizes it perfectly: “‘They say you should live every day as if it were your last,’ he said, ‘but when it comes down to it that’s not really it, is it? Live every day as if it might not be your last. That kind of works better.’ ‘Live every day as if you had a future.'”

-love, Aly

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Blog Entry No. 45 – Back again und Why We Matter

Liebe Leser*innen,

es ist Oktober, einer meiner Lieblingsmonate und es ärgert mich sehr, dass ich ihn bisher noch nicht so nutzen konnte, wie ich es liebe: in Decken und Kissen gekuschelt mit Kakao oder Chai-Latte und einem guten Buch während es draußen vor dem Fenster stürmt und regnet. Stattdessen bin ich umgezogen, habe ehrenamtlich bei der Tagung zum Synodalen Weg geholfen, habe meine neue Arbeit (im Rahmen meines Bundesfreiwilligendienstes) begonnen und bin eine Woche zu einem Seminar gefahren. So sehr ich es liebe, ein aufregendes Leben zu haben, so sehr freue ich mich trotzdem jetzt auf ruhigere Tage. Um es gebührend zu feiern, dass es bald endlich wieder regelmäßige Blogbeiträge gibt, werde ich mit einem Jahreshighlight-würdigem Buch beginnen: Why We Matter von Emilia Roig.

Die Politologin und Aktivistin Dr. Emilia Roig ist eine renommierte Expertin für Intersektionalität, Vielfalt, Gleichberechtigung, Inklusion und Antidiskriminierung. Die 380 Seiten umfassende Hardcover Ausgabe ihres Buches Why We Matter – Das Ende der Unterdrückung erschien am 15. Februar 2021 im Aufbau Verlag. Das von Dr. Roig selbst gelesene Hörbuch wurde am 25. Juni diesen Jahres veröffentlicht und mir von NetGalley im Austausch für eine ehrliche Rezension zur Verfügung gestellt. Ihr findet das Hörbuch unter der ISBN 9783961054244.

Das Cover ist sehr schlicht gehalten, verrät im Grunde nichts über den Inhalt des Buches (vom Titel natürlich abgesehen) und sticht trotzdem genau dadurch hervor. Meiner Meinung nach ist diese Gestaltung absolut passend für ein sachliches Buch wie dieses. Ich finde, nebenbei bemerkt, übrigens den Titel einfach großartig.

Klappentext: Wie erkennen wir unsere Privilegien? Wie können Weiße die Realität von Schwarzen sehen? Männliche Muslime die von weißen Frauen? Und weiße Frauen die von männlichen Muslimen? Die Aktivistin und Politologin Emilia Roig zeigt – auch anhand der Geschichte ihrer eigenen Familie, in der wie unter einem Brennglas Rassismus und Black Pride, Antisemitismus und Auschwitz, Homophobie und Queerness, Patriarchat und Feminismus aufeinanderprallen –, wie sich Rassismus im Alltag mit anderen Arten der Diskriminierung überschneidet. Ob auf der Straße, an der Uni oder im Gerichtssaal: Roig schafft ein neues Bewusstsein dafür, wie Zustände, die wir für „normal“ halten – die Bevorzugung der Ehe, des männlichen Körpers in der Medizin oder den Kanon klassischer Kultur – historisch gewachsen sind. Und dass unsere Welt eine ganz andere sein könnte. „Emilia Roig deckt die Muster der Unterdrückung auf und leitet zu radikaler Solidarität an. Sie zeigt – auch anhand der Geschichte ihrer eigenen Familie –, wie Rassismus und Black Pride, Antisemitismus und Auschwitz, Homofeindlichkeit und Queerness, Patriarchat und Feminismus aufeinanderprallen. “Radikal und behutsam zugleich. Dieses Buch ist ein heilsames, inspirierendes Geschenk.” Kübra Gümüsay “Die Antwort auf viele Fragen unserer unsicheren Zeit heißt: Gleichberechtigung aller. Und dieses großartige Buch ist ein Schritt auf dem Weg dahin.” Sibylle Berg „Dieses Buch wird verändern, wie Sie die Welt wahrnehmen und Sie verstehen lassen, was Gerechtigkeit wirklich bedeutet.“ Teresa Bücker

Dieses Hörbuch zu hören war eine unglaubliche Erfahrung. Ich habe sehr sehr viel über mich, meine Wahrnehmung, die Gesellschaft in der ich lebe und das komplexe Zusammenspiel von verschiedensten Diskriminierungsformen gelernt und habe nach dem Beenden des Buches das Gefühl, dass mir zumindest ein Stück weit die Augen geöffnet wurden, sodass ich nun hoffentlich diskriminierende Situationen besser erkenne und angemessener handeln kann. Ein einzelnes Buch kann natürlich leider keine Wunder bewirken, aber Why We Matter trägt einen bedeutenden Teil zu einer aufgeklärteren Gesellschaft bei. Außerdem ist es nicht trocken und faktengeladen geschrieben, Roig erhebt keinen Anspruch auf absolute, objektive Wahrheit (zu der Thematik gibt es auch ein wirklich interessantes Kapitel), sondern verwebt ihre Aussagen mit persönlichen Erfahrungen, wodurch es authentisch bleibt und man sich besser einfühlen kann. Zudem bewirkt es hinsichtlich der Authentizität und Sympathie auch viel, dass die Autorin ihr Buch selbst liest.

Ich kann mit Worten gar nicht ausdrücken, wie großartig ich dieses Buch fand. Lest es alle! Why We Matter ist definitiv ein fester Kandidat für meine persönlichen Jahreshighlights, schon einfach weil ich so viel gelernt habe, das Thema so unglaublich wichtig ist und trotz der hohen Komplexität alles verständlich, inspirierend und berührend geschrieben wurde.

Ich hoffe Why We Matter bald auf eurer aller tbr-Listen zu sehen und wünsche euch ein paar schöne Herbsttage,
Aly

Blog

Blog Entry No. 44 – Fridays For Future: Warum es nicht genug ist, sich nur um die liebsten Menschen zu sorgen

Liebe Lesenden,

heute geht es nicht um Bücher, Rezensionen oder Geschichten, sondern um die niederschmetternde Realität. Dennoch möchte ich mit einem sinngemäßen Zitat aus meinem aktuellen Hörbuch (Schöne Welt wo bist du von Sally Rooney) beginnen: Vielleicht ist es zu viel gewollt, die Welt zu retten und alles zu erreichen, glücklich wird man davon ja doch nicht. Vielleicht ist es der Sinn des Lebens zu lieben, sich um seine Lieben zu kümmern. Wenn die Welt untergeht, weil die Menschen nur an Sex und Freundschaft gedacht haben, wäre das doch zumindest ein schöner Grund.

Heute finden überall auf der Welt Klimastreiks statt. Ich befinde mich unter den Kieler Protestierenden, weil ich nicht der Meinung bin, dass es reicht sich um seine Nächsten zu sorgen. Besonders so kurz vor der Bundestagswahl (an dieser Stelle direkt noch einmal der Aufruf: Geht wählen wenn ihr könnt! Die Demokratie funktioniert nur, wenn man von seiner Stimme auch Gebrauch macht. Protest-Nicht-Wählen hilft niemandem, weil es dann auch keine Menschen im Bundestag gibt, die die eigene Meinung zumindest in einigen Aspekten repräsentieren können.). Wir leben in einer Zeit, in der sich die Art des menschlichen Fortbestands entscheidet. Die Menschen, die jetzt leben, jetzt Entscheidungen treffen, jetzt gewählt werden, haben es in der Hand einen drastischen, schon jetzt lebensbedrohlichen Klimawandel noch soweit wie möglich zu verhindern. Wenn wir tatenlos dabei zusehen, wie sich unser Planet erhitzt, wird es irgendwann keine Regionen mehr geben, von denen aus sich die Nachrichten von Naturkatastrophen angesehen werden können. Es ist noch nicht lang her, dass auch weitflächige Gebiete in Europa in Flammen standen und von Fluten zerstört wurden.

Wir müssen anfangen zu handeln, wenn wir eine sichere, lebenswerte Zukunft für uns und die Generationen nach uns wollen. Was bringt es, wenn die Welt wegen “eines schönen Grundes” untergeht, wenn man trotzdem dabei zusehen muss, wie die Menschen, die man liebt, im Hochwasser ertrinken, in Bränden sterben oder ersticken, weil der Permafrostboden auftaut (dazu mehr, wenn es um Things to do before the end of the world geht). Diese Aussichten sind beängstigend. Aber noch können wir etwas dagegen tun. Das Leben weitestgehend bis vollständig plastikfrei und ohne tierische Produkte gestalten (das Ausmaß der für die Tierhaltung benötigten Sojaimporte, die wiederum landwirtschaftliche Fläche einheimischer Bauern in Lateinamerika, Afrika und anderen Regionen der Erde beanspruchen und für die enorme Flächen Regenwald abgeholzt werden, ist leider vielen Menschen nicht bewusst). Produkte reparieren und wieder verwenden (eventuell zweckentfremden) statt wegzuschmeißen und neu zu kaufen. Öffentliche Verkehrsmittel nutzen, Fahrgemeinschaften bilden, Fahrrad fahren und zu Fuß gehen, statt jede Strecke mit dem Auto zu fahren. Nicht zwingend notwendige Flugreisen unterlassen. Insektenhotels bauen und aufstellen. Blumenwiesen für Bienen anlegen. Bäume pflanzen und Müll einsammeln. Secondhand statt Fastfashion shoppen. Regional einkaufen. Es gibt so viele Möglichkeiten das eigene Leben mehr auf Klimaneutralität auszurichten und oft ist das nicht einmal mit großem Aufwand verbunden, spart Geld und hilft oft nicht nur dem Klima, sondern auch anderen Menschen. Die Aufgabe der Politik ist es, die Weichen für ein klimaneutrales Leben zu stellen, entsprechende Forschungsprojekte und Initiativen fördern, die öffentlichen Verkehrsmittel fördern und ausbauen, sodass die Entscheidung auch auf dem Land nicht mehr schwer fällt und Unternehmen mit entsprechenden Gesetzen und Fördermitteln zu motivieren, ihre Produkte möglichst klimaneutral herzustellen, Lieferketten transparenter zu gestalten und unverkaufte Produkte nicht mehr tonnenweise wegzuwerfen, nur weil sie nicht mehr in die aktuelle Kollektion passen oder Platz für neue Ware gebraucht wird. Vor allem nicht, solange sich Containern nur in einer Grauzone bewegt und nicht transparent legal ist. Es gibt so viel Handlungsbedarf, dass ganze Bücher darüber geschrieben werden (können), da reicht es nicht, sich einfach nur um Sex und Freundschaft zu kümmern und zu hoffen, dass sich der Rest von selbst regelt.

Ich will der Welt nicht beim Untergehen zuschauen. Deshalb gehe ich heute protestieren. Deshalb befindet sich der Brief mit meinem Stimmzettel zur Bundestagswahl bereits in der Post. Deshalb rufe ich euch alle dazu auf, nicht darauf zu vertrauen, dass sich irgendjemand darum kümmern wird, die Welt vor dem Untergang für die Menschheit zu bewahren. Deshalb rufe ich euch alle dazu auf, den euch größtmöglichen Beitrag zum Klimaschutz zu leisten, euch zu informieren und euch auch dahingehend um eure liebsten Menschen zu sorgen, als dass ihr euch dafür einsetzt, dass die Erde auch in vielen Jahren noch ein lebenswerter Planet ist.

Klimawandel betrifft uns alle. Egal ob hetero, cis, weiß, queer, farbig, privilegiert oder diskriminiert (das bewirkt natürlich, traurigerweise einen enormen Unterschied im Ausmaß der Folgen, aber betroffen sind auch alle privilegierten Menschen), Klimawandel betrifft alle Menschen, Tiere, Pflanzen. Klimawandel betrifft und gefährdet das Leben und Leben ist immer schützenswert!

– Aly

Blog, Reviews

Blog Entry No. 43 – Maybe Not Tonight

Liebe Leser*innen,

eigentlich wollte ich diese Rezension schon längst veröffentlicht und in einer Podcast-Folge besprochen haben. Da aber einiges dazwischen kam, musste ich noch mal umplanen, deshalb jetzt die Review zu Maybe Not Tonight und wenn alles funktioniert, wie ich es mir im Moment vorstelle, dann werde ich auch im Oktober in einer Podcast-Folge noch einmal darüber reden.

Maybe Not Tonight ist der zweite Teil der Love is Queer Reihe von Alicia Zett. Der Roman der Frankfurterin erschien am 3. Mai 2021 im Droemer Knaur Verlag. Von NetGalley wurde mir die ungekürzte, 14 Stunden und 20 Minuten lange Ausgabe des Hörbuches im Austausch zu einer ehrlichen Rezension zur Verfügung gestellt. Dieses wurde von Oliver Kube und Oliver Erwin Schönfeld gesprochen, im Argon Verlag veröffentlicht und ihr findet es unter der ISBN 9783732455195.

Klappentext: Für den 19-Jährigen Luke fühlt sich die Zeit als Au pair in Vancouver an wie ein Traum: Jahrelang hat er sich nur darauf konzentriert, seinen Geschwistern den toten Vater zu ersetzen – jetzt, viele tausend Kilometer von Zuhause entfernt, scheint plötzlich alles möglich. Bei einem Theaterprojekt findet Luke schnell neue Freunde und lernt auch den Studenten Jackson kennen, der ihm zeigen könnte, was es bedeutet, wirklich lebendig zu sein. Doch Luke hat keine Ahnung, wie er mit seiner neuen Freiheit umgehen soll. Und in wenigen Monaten wird er in einem Flugzeug zurück nach Deutschland sitzen. Es wäre äußerst unklug, sich auf Jackson einzulassen – oder?

Da dies eines der wenigen Hörbücher ist, die ich rezensiere, direkt erst ein paar Worte zur Vertonung: Die Kapitel, die jeweils aus Lukes und Jacks Perspektive geschrieben wurden, wurden auch von verschiedenen Menschen gelesen. Das Hörbuch so zu gestalten war meiner Meinung nach eine großartige Entscheidung, da man dadurch Perspektivenwechsel deutlicher mitbekommt und außerdem mit den beiden Hauptpersonen unterschiedliche Stimmen verbindet, was das ganze Hörerlebnis etwas realistischer macht. Beide Sprecher hatten sehr angenehme Stimmen sodass man sich voll und ganz auf das Buch einlassen und an vielen Stellen nur so dahin schmelzen konnte. Mir persönlich ist besonders Billies (sollten Namen jetzt falsch geschrieben sein, seht es mir bitte nach, ich habe das Buch nicht als Textstück und somit auch keine sichere Kenntnis über die Schreibweise der Namen) wörtliche Rede noch sehr charakteristisch in Erinnerung geblieben.

Ich mochte sehr, wie sich die Personen in Maybe not Tonight entwickelt haben und wie ausgearbeitet die Nebencharaktere waren, besonders Jacks Schwester ist mir sehr ans Herz gewachsen. Obwohl vieles sehr vorhersehbar war (womit ich ehrlicherweise aber oft rechne, wenn ich Bücher diesen Genres lese) und es im Grunde auch nur eine weitere Liebesgeschichte ist, ist Lukes und Jacksons Geschichte wirklich süß und hat mir mehrfach ein Lächeln auf die Lippen gebracht.

Trotzdem gab es einige kritische Aspekte, über die dringend gesprochen werden muss: Zum einen gab es unzählige Harry Potter Bezüge. Ich möchte nicht behaupten, dass es schlecht wäre Harry Potter Fan zu sein, doch es sollte eindeutig sensibler damit umgegangen werden, welche Bühne man J. K. Rowling damit gibt. Die Harry Potter Bücher sind zweifelsohne schon weltberühmt und es gibt wahrscheinlich kaum jemanden der noch nie zumindest davon gehört hat, dennoch sind solche Erwähnungen in anderen Büchern ein weiterer Multiplikator der Bekanntheit, was wiederum auch besagter Autorin zugute kommt. Meiner Meinung nach gab es eindeutig zu viele Bezüge auf die Fantasy-Reihe, vor allem dafür, dass der Roman einen Teil der LGBTQIA+ Community repräsentiert. Einer Autorin, die sich der Art trans* feindlich äußert, sollte nicht noch mehr positive Aufmerksamkeit zuteil werden.

Außerdem ist Maybe Not Tonight der zweite Teil einer Reihe. Ich habe den ersten Teil nicht gelesen und bin aber trotzdem sehr gut in der Geschichte rein gekommen, kann den Roman also auch all denjenigen empfehlen, die Not Your Type noch nicht kennen. Beim Lesen einiger Rezensionen bin ich aber auf eine Information gestoßen, die ich für den zweiten Teil doch sehr relevant finde: Jackson ist offenbar bisexuell (sollte ich falsche Informationen aus den anderen Rezensionen erhalten haben, kommentiert gern, wenn ihr Not Your Type gelesen habt und es besser wisst), was an sich erst einmal wenig relevant erscheint, da es ja in dieser Geschichte darum geht, dass er sich in Luke verliebt, unabhängig davon ob und wie er sich labelt. Problematisch finde ich nur den Umstand, dass er besonders am Anfang als Player porträtiert wird, der Luke das Herz brechen werde, weil er unzuverlässig sei und lieber feiere und flirte. Wenn man nun die Information aus Band 1 im Kopf hat – Jackson als bisexueller Charakter – und in Band 2 vermittelt bekommt, dass das Unrealistische an der möglichen Beziehung die Beziehungsfähigkeit Jacksons ist (und die Tatsache, dass Luke in einigen Monaten wieder nach Deutschland fliegt, wodurch sie eine Fernbeziehung über den Atlantik hinweg erhalten müssten), wird eines der typischsten Vorurteile gegenüber von bisexuellen Menschen reproduziert und ein Stückchen weiter in das Unterbewusstsein der Leser getragen: Sie würden in einer Beziehung betrügen, weil sie ja an mehreren Geschlechtern interessiert seien. Das ist natürlich Bullshit, denn ob man den Partner betrügt oder nicht hängt von der moralischen Einstellung und nicht von der Sexualität ab. So, dafür dass mein Wissen, auf dem dieser Kritikpunkt basiert, eher weniger fundiert ist (ich bin gern bereit Not Your Type zu lesen sobald ich an eine Ausgabe komme, um das zu ändern) und das auch ein vergleichsweise kleiner Aspekt des Buches ist, ist dieser Absatz doch recht lang geworden. Vielleicht wird es einige nerven, weil ich scheinbar “aus einer Mücke einen Elefanten mache”, aber Fakt ist, dass solche scheinbar irrelevanten, reproduzierten Vorurteile dazu beitragen, dass Menschen in unserer Gesellschaft nicht so akzeptiert und unterstützt werden, wie sie sind. Medien beeinflussen unser unbewusstes Denken mehr, als wir es wahrhaben wollen. Deshalb ist es wichtig auch über die kleinen, unschönen Details von Büchern zu reden.

Außerdem gab es eine Stelle im Buch, über die ich mich im ersten Moment riesig gefreut habe, die mich aber im Nachhinein nur sehr aufregt und nervt: Bei ca. 72% des Buches sagt Tayler: “Wenn ich an Sex denke, denke ich nur daran, wie viele Bücher ich in der Zeit lesen könnte.” Darauf reagiert wird in nur drei Sätzen und diese nicht einmal in wörtlicher Rede, sondern gewissermaßen in Lukes Gedanken, da die Situation aus seiner Perspektive geschildert wird. Gut ist, dass die Aussage, bzw. ihr outing positiv mit einer Solange-sie-damit-glücklich-ist-bin-ich-es-auch-Haltung aufgenommen wird. Allerdings wird dabei so unglaublich viel Potential für akkurate Repräsentation verschenkt, dass es mich einfach sauer macht. In einer Buch-Reihe mit dem Titel Love is Queer wird die einzige Ace-Repräsentation (die sowieso schon generell viel zu selten umgesetzt wird) am Rande erwähnt und dann mit drei Sätzen abgetan, als wäre nichts weiter passiert?! Warum reagiert niemand auf Taylers Outing? Warum wird die Thematik nicht an einer anderen Stelle noch mal aufgegriffen? Warum wird so viel Wert auf das Outing von Alex gelegt und Taylers wird gefühlt überhaupt nicht wahrgenommen. Auch Ace Menschen müssen mit dem unangenehmen Gefühl eines Outings umgehen und sich oft noch mehr unsensible Kommentare anhören als andere Teile der Community. Dies ist hier zwar zum Glück nicht der Fall, aber als gutes Vorbild sollte diese Art der Reaktion trotzdem auf keinen Fall dienen.

+++Achtung Spoiler!+++

Der letzte Aspekt, der mich ziemlich genervt hat, war wie unfassbar spät Jackson einfiel, dass auch in Deutschland zu studieren eine Option wäre. Nicht nur, dass er schon sehr lange vorher weiß, wann Luke wieder nach Deutschland muss und dementsprechend eigentlich wirklich viel Zeit hatte über die Möglichkeiten für ihre Beziehung nachzudenken, nein, nach drei Monaten schmerzhafter Fernbeziehung, muss ihm von seiner Schwester gesagt werden, dass er auch in Deutschland studieren könnte, was mehrere Vorteile mit sich bringen würde.

+++ Spoiler Ende +++

Alles in allem ist Maybe Not Tonight eine süße Romanze mit liebenswerten Nebencharakteren, die man sich gut zwischendurch anhören kann. Jedoch merkt man stark, dass das Buch für eine weibliche cis hetero Leserschaft geschrieben wurde. Wenn man es liest, sollte man es für die Liebesgeschichte lesen und nicht für einen spannenden Plot oder die queere Repräsentation, denn diesbezüglich wird man leider stark enttäuscht. Mehr als 2,5 Sterne kann ich leider nicht vergeben.

Liebe Grüße,
Aly

Blog, Reviews

Blog Entry No. 42 – Gänseblümchen

Liebe Leser:innen,

es ist soweit, der Herbst hat begonnen und mit ihm auch eine neue Saison Rezensionen für die gemütliche Zeit des Jahres. Was gibt es besseres als Regenwetter, eine kuschlige Decke, ein Heißgetränk (meine persönlichen Favoriten: Chai Latte, Kakao und schwarzer Tee) und ein gutes Buch?
Starten werde ich direkt mit einem 5-Sterne Buch. Obwohl es im Herbst und Winter spielt, also perfekt passt, hat es mir eher ein Sommer-Gefühl vermittelt, was denk ich ganz gut zum September passt, denn noch hat das Regenwetter nicht wirklich angefangen.

Gänseblümchen – eine sehr queere Geschichte wurde von Elias Finley geschrieben und am 25. Juli diesen Jahres im Queer Pack Verlag veröffentlicht. Ihr findet es unter der ISBN 9783982202747 als Taschenbuch und ebook. Mir wurde es von NetGalley als ebook im Austausch gegen eine ehrliche Rezension zur Verfügung gestellt.

Bevor ich zum Inhalt komme, kurz ein paar Worte zum Cover: So gut mir das Buch inhaltlich auch gefällt, mit dem Cover kann ich mich nur mäßig gut anfreunden. Es ist super bunt, was an sich gut zum sehr queeren Inhalt passt, jedoch wirkt es stark überladen. Durch die vielen verschiedenen, im Ton sehr kräftig leuchtenden Blumen fällt im ersten Moment gar nicht auf, dass auch die Schrift etwas viel ist. Auf den zweiten Blick fallen die drei verschiedenen Schriftarten in unterschiedlichen Größen und zum Teil verschiedenen Ausrichtungen dann aber doch auf. Positiv zu bemerken ist aber, wie gut sich das Verlagslogo einfügt.

Die Handlung wird aus Ricks Perspektive wiedergegeben, Rick der gerade 19 geworden ist, zur Schule geht und nebenbei im Baumarkt arbeitet, Rick, der Blumen, Rosa und Harmonie mag, von seinen Mitschüler:innen als schwul bezeichnet wird, obwohl er sich nicht sonderlich schwul fühlt und der in Gegenwart der beliebten Auri vor lauter Herzklopfen kein Wort über die Lippen bekommt. Mit Beginn des neuen Schuljahres kommt Bo neu in den Jahrgang und er scheint es auf Rick abgesehen zu haben. Nicht nur dass er ihn beklaut und provoziert, wo er nur kann, ausgerechnet Bo scheint auch einen besonderen Draht zu Auri zu haben. Doch als Rick Bo näher kennenlernt, beginnen sich die Ereignisse zu jagen.

Gänseblümchen ist sehr gut verständlich und vor allem nah am Hauptcharakter geschrieben. Der Schreibstil vermittelt das Gefühl, alles tatsächlich aus Ricks Gedanken heraus mit zu erleben, dadurch liest es sich zum einen sehr schnell und zum andern auch sehr emotional. Besonders gut finde ich außerdem, dass es eine sehr detaillierte Liste mit potentiellen Triggern gibt, durchgängig inklusive * gegendert wird und dass im Vorwort auf die Verwendung der Pronomen sier/sien eingegangen wird, denn genau diese Art der Kommunikation ermöglicht mehr Sensibilisierung für den respektvollen Umgang mit non-binären Menschen und Verständnis für den notwendigen Sprachwandel für mehr Repräsentation, dessen Notwendigkeit viele Menschen leider noch nicht sehen. Generell muss ich aber auch einfach sagen, dass das Buch schon allein durch die enorme Menge an queerer Repräsentation (vor allem der Teile der Community, die sonst leider viel zu oft übersehen werden) einen riesigen Pluspunkt bei mir hat.

Die Entwicklung des Plots hat mich schlicht umgehauen. Durch die Liste potentieller Trigger wurde zwar schon deutlich, dass viel passiert, aber es gab so viele Wendungen, mit denen ich nicht gerechnet hätte, dass es bis zum Epilog spannend und überraschend blieb. Bezeichnend hierfür ist mein Kommentar bei goodreads, als ich gerade 93% des Buches gelesen hatte: “Es sind noch 7% zu lesen und ich habe das ungute Gefühl, dass mir dieses Buch das Herz brechen wird. Ich hab so Angst um Bo. Er hat sich wie der letzte Arsch verhalten, aber er ist mir wirklich ans Herz gewachsen und ich habe irgendwie doch sehr Angst vor dem Ende des Buches.”

Letztlich kann ich vor allem eins sagen: Wow. Nur wenige Bücher schaffen es, mich mit allen Emotionen abzuholen, Charaktere zu schaffen, die absolut glaubwürdig und real geschrieben sind, und dabei noch wichtige politisch-moralische Botschaften zu vermitteln. Ich habe mindestens genauso oft gelacht (ja, auch laut, sehr zur Verwirrung der Menschen um mich herum) und mich für die beschriebenen Personen gefreut wie ich auch sauer auf Rick und Bo war und mitgelitten habe, wenn die Handlung unschöne Wendungen nahm. Die beschriebene Freundschaft zwischen Rick und Vhyn ist einfach großartig (ich würde die beiden so gern mal in der Realität treffen) und die Charakterentwicklung (die ich mir für Rick noch etwas mehr gewünscht hätte) von Bo ist der Wahnsinn. Es ist so schön zu lesen, wie Vhyn und Auri über sich hinauswachsen und mit allem Mut, den es dafür leider manchmal braucht, zu sich selbst stehen. Aber nicht zuletzt sind auch die Nebencharaktere einfach cool, ich brauche bitte mehr Personen wie Ricks Großeltern in meinen Büchern! 😀
5 von 5 absolut verdiente Sterne für diesen wunderbaren, queeren Young-Adult Roman, dessen Cover und Inhalt genauso unperfekt, bunt und liebenswert sind, wie das Leben.

Alles Liebe,
Aly

PS: Das Buch hat mir mein Herz übrigens nicht gebrochen, manchmal ist es unglaublich gut, wenn Erwartungen nicht erfüllt werden, denn dann kann man positiv überrascht werden, was hier eindeutig der Fall war.

Blog, Stories

Blog Entry No. 41 – Regrettez pas. Soutenez vous.

Es war einmal. Fangen so nicht alle guten Geschichten an? Es war einmal eine Party. Eine Party auf der ich viel zu lang mit unbedeutenden Menschen getanzt habe, bis ich sie zum ersten mal sah. Mein Blick schwiff durch die Menge, aus Neugier, aus Hoffnung. Unsere Blicke trafen sich. Einmal, zweimal. Ich sah immer wieder weg, weil ich nicht starren wollte, doch wir sahen uns immer wieder an. Sie war so wunderschön. Ihre blonden, offenen Haare, wild im Takt der Musik. Ihre dunklen Augen, im bunten, flackernden Licht so dunkel wie ihr bauchfreies Top. Sie war wunderschön, attraktiv und anziehend. Und mit jedem Lied kam sie ein Stück näher. Bald tanzten wir nebeneinander, sprangen im Takt zur Musik, bewegten unsere Körper zur Melodie. Da lehnte sie sich zu mir. Plötzlich standen wir so dicht voreinander, dass ich meine Hand nur ein Stück heben musste, um sie an ihre Taille zu legen. Und sie sagte dicht neben meinem Ohr: “Du bist süß.” Es entstand das wohl peinlichste und zugleich beste Missverständnis, das nur hätte passieren können. Ich verstand “Findest du mich süß?” Und antwortete prompt: “Ja, definitiv!” Wir unterhielten uns, lachten, stellten uns vor. Meine Hand leicht an ihrer Taille, ihre an meiner Schulter. Unsere Lippen dicht neben dem Ohr des jeweils anderen. Es war perfekt. Perfekt bis wir zwei Informationen austauschten. Unser Alter und unsere Heimatstadt. Ich wünschte, es hätte mich weniger verunsichert, ich wünschte, ich hätte trotzdem einfach weiter nah bei ihr tanzen können, ohne sofort alles kaputt zu denken. Doch zu meiner Überraschung blieb sie. Wir tanzten, wir sangen lautstark die Lieder mit, wir unterhielten uns halb schreiend über die Musik und die Entfernung des Tanzens hinweg. Ich sähe aus wie eine Sängerin, deren Namen ich leider nicht kenne. Wir flirteten, machten uns Komplimente. Tanzten mal enger, mal distanzierter, mal lasziv, mal wild springend. Lebten im Moment. Bis mein bester Freund mich auf die Uhrzeit, auf das Ende des Abends, auf den Abschied hinwies. Ich wollte diese Nacht würde nicht enden. Doch auch in den hoffnungslos romantisch erzählten Geschichten bleibt die Zeit niemals wirklich stehen. “Wir müssen los, müssen leider Bus fahren.” “Habt noch einen schönen Abend!” Es bricht mir das Herz, ohne den Mut zu gehen, den es gebraucht hätte, sie nach einem Kuss oder ihrer Nummer zu fragen. Oder beidem. Es bricht mir das Herz, zu wissen, dass ich sie wahrscheinlich nie wieder sehen werde. Es bricht mir das Herz, mich zu fragen, was hätte sein können.

Doch mein Lieblingsfilm brachte mir einst bei: “Regrettez pas. Soutenez vous.”1

Und so bleibt dies eine Kurzgeschichte, eine Begegnung, konserviert als Erinnerung. Nicht mehr und nicht weniger.2

1Bedauern Sie nicht. Erinnern Sie sich.
2 Dieser Blogbeitrag stellt eine fiktive Geschichte auf Basis von realen Begebenheiten dar.

Blog

Blog Entry No. 40 – Der Sommer des Lebens? Sammelpost meiner Gedanken

Liebe Leute,

man hat in den letzten Wochen im Grunde nichts von mir gehört und das obwohl ich so viel angekündigt hatte. Schon der Podcast und meine Leseliste bieten eigentlich genug Stoff für Beiträge jeden zweiten Tag und ich habe auch immer noch das angefangene Tonmaterial für meine zweite Podcast-Folge “herumliegen”, das ich aber wahrscheinlich nicht mal nutzen werde, weil alles doch irgendwie anders kam. Ich habe auch immer noch total viel vor, seid euch dessen gewiss, jedoch schaffe ich es noch nicht so ganz mich an meine eigenen Pläne zu halten, aber wer kann das schon? Das Leben passiert ja nebenbei auch noch manchmal. Jedenfalls wird das hier ein Blogbeitrag, in dem ich mir einfach mal wieder alles von der Seele schreiben werde, was mich in den letzten Wochen beschäftigt hat und vielleicht konkretisieren sich ja im Schreibprozess schon einige Vorhaben, mal sehen was dabei heraus kommt. Viel Spaß beim Lesen meiner Gedanken und Erlebnisse des Sommers ’21. ^^

Meinen letzten Beitrag lud ich am 3. Juli hoch und das letzte Lebenszeichen auf Instagram gab ich am 14. Juli zur Non-binary awareness week von mir, das ist nun schon weit über einen Monat her und ich muss sagen, ich habe die ungeplante und unangekündigte (so offiziell bin ich ja auch noch nicht) Sommerpause mehr als genossen und gebraucht. Außerdem war sie für eine Pause ziemlich stressig, aber auf gute Art und Weise.

In Filmen, Büchern und Serien wird der Sommer nach dem Abschluss immer als das große Erlebnis, bzw. die großartigste Zeit dargestellt. Man hat Spaß mit Freunden, erlebt Abenteuer und verliebt sich, dann passiert etwas dramatisches und am Ende gehen trotzdem alle mit Happy End und einem Lächeln im Gesicht ins College (oder was auch immer). Dieses Bild von Sommer setzt natürlich Erwartungen und Maßstäbe (gesagt sei natürlich, dass es absolut ungesund ist, sich an diesen messen und vergleichen zu wollen) und ich muss ehrlich sagen, in der ersten Hälfte meines Sommers hatte ich das Gefühl, dass diese Zeit nicht besonders gut in meiner Erinnerung bleiben würde. Nach dem Abitur, für das sich jede Anstrengung, jede schlaflose Nacht, weil man doch zu spät mit dem Lernen angefangen hat und jeder Nervenzusammenbruch (vielen Dank an all die Menschen, die diese Zeit trotzdem zu einer schönen Erinnerung haben werden lassen) aus verschiedensten Gründen absolut gelohnt hat, hatte ich mich wirklich sehr auf eine Pause gefreut. Etwas mehr Zeit für Freunde, Bücher und gute Erinnerungen. Nur sah die Realität leider etwas anders aus; da ich in einem kleinen Dorf lebe (die Anbindung an das öffentliche Verkehrsnetz ist hier doch eher mäßig gut) und mein Freundeskreis verteilt im ganzen Land lebt, gab es wenige Möglichkeiten für spontane Treffen, Ausflüge und Erinnerungen. Stattdessen war mein Terminplan plötzlich vollgepackt mit immer aufgeschobenen Arzt-Terminen, Fahrschule, Auswahlverfahren, Wohnungssuche, Infoveranstaltungen und meinem Ferien-Job. Denn “jetzt hatte ich ja Zeit für sowas”, weil ich kein Abi mehr zu schreiben hatte. Zu dem Zeitpunkt, als meine Internetpräsenz also noch dünner wurde, als sie eh schon ist, dachte ich im wesentlichen, dass ich mich rückblickend wahrscheinlich nur an den Stress erinnern werde. Jetzt, fast zwei Monate später, denke ich zwar nicht mehr zuerst an den Stress, aber auch nicht wirklich an eine schöne Zeit. Denn zu den sich nur nach Arbeit anfühlenden Terminen kam noch hinzu, dass ich eine Trennung verarbeitete und mich mit einem guten Freund immer weiter zerstritt (im Nachhinein eine eher überdramatisierte und kindische Auseinandersetzung, aber nun nicht mehr zu ändern, auch schlechte Erfahrungen gehören zum Leben und gelernt habe ich daraus einiges). Aaaaber nach diesen ersten eineinhalb Monaten Nach-Abitur-Sommer, einer Party zum Feiern des Abschlusses, einigen angefangenen Büchern und einem genialen Tanz im Sommerregen, begann dann die noch viel bessere Zeit, die man wohl am ehesten als Urlaub bezeichnen kann: Drei Wochen nicht Zuhause, sondern in der Welt, im Zug und in guter Gesellschaft.

Zu der ersten Woche ist nicht besonders viel zu sagen. Eine Woche Abifahrt auf Usedom mit meinen besten Freunden, mit denen ich bereits die letzten vier Jahre zusammen auf einem Campus wohnen durfte. Unsere letzte Woche, die wir alle zusammen bei bestem Wetter und reichlich Spaß genießen durften, bevor wir uns alle wer weiß wie lang nicht wieder sehen. Diese Zeit war der Wahnsinn, sie war voller Erlebnisse und Geschichten, die wir mit etwas Glück vielleicht noch unseren Enkeln erzählen werden. Nach einem Wochenende Zwischenstopp für einen Schulanfang, bei dem mein Bruder und ich wahrscheinlich mehr über einander gelernt haben als je zuvor und mir zwangsläufig bewusst wurde, dass man sich seine Familie zwar nicht immer aussuchen kann (nicht immer, weil ich der Meinung bin, dass auch wirklich gute Freunde irgendwann zur Familie werden), diese Menschen aber trotz aller Schwierigkeiten, die manchmal eben dazu gehören, immer da sind, wenn man sie braucht. In der Woche danach habe ich zweifelsohne viel für’s Leben gelernt: Nach zwei Nächten in Kiel, einer Nacht auf einem Campingplatz süd-westlich von Hamburg, einer Nacht bei Stralsund und zwei weiteren auf Rügen mit Sicht auf Stralsund, um dann am Ende noch 40 Minuten in Greifswald und 45 Minuten in Berlin mit einer Freundin, die ich seit mehr als zwei ein halb Jahren nicht mehr gesehen hatte, zu verbringen. Ich habe viel gesehen, obwohl wir für fast alle Sehenswürdigkeiten nicht früh genug geplant hatten (Pandemiebedingungen und ein wahrscheinlich immer mehrere Tage im Voraus ausgebuchtes Ozeaneum) und ich kann nun sagen, dass das Reisen mit der Bahn und Campingausrüstung zwar anstrengend, aber absolut lohnenswert ist, besonders wenn man das Glück hat mit einem wirklich guten Freund zu reisen. Ich danke dir Hefti Boy.

Aber wirklich spannend und inspirierend war die dritte Woche meiner Sommerreisen, die verbrachte ich bei der Sommerakademie in Görlitz mit Menschen, die ich zuvor nie getroffen hatte, von denen ich aber unfassbar viel gelernt habe. Organisiert wurde die Woche von der katholisch-theologischen Fakultät der Universität Erfurt und dem Bistum Limburg (in Zusammenarbeit mit anderen Akademien und Stiftungen), wodurch der Fokus nicht nur auf der Thematik von Freiheit, Widerstand und Menschenwürde lag, sondern an vielen Punkten die Perspektive der Katholiken eingenommen wurde, welche ich bisher noch gar nicht kannte, da ich nicht religiös aufgewachsen bin und mich daher mit Religion im allgemeinen eher weniger beschäftigt habe. Weniges hat mich in den letzten Monaten so sehr inspiriert und zum Nachdenken gebracht wie die Gespräche mit den anderen Teilnehmern, die Geschichten der Zeitzeugen (besonders die Erzählungen von Aliaksei Paluyan, ein Künstler aus Belarus, seinen Dokumentarfilm “Courage” kann man im Moment in einigen Kinos in Deutschland sehen und ich kann Euch nur so eindringlich wie mir nur irgendwie möglich sagen, bitte, bitte schaut ihn Euch an! Belarus ist nicht weit entfernt und die Lage ist mehr als erschreckend. Bitte informiert Euch, lasst betroffene Menschen zu Wort kommen und ignoriert die Thematik nicht einfach!) und aber auch die morgendlichen religiösen Impulse, gekrönt von der ersten Messe, die ich bisher besucht habe. Eine meiner Aussagen am letzten Abend bringt es ganz gut auf den Punkt: “Es gibt vieles im christlichen Glauben mit dem ich nicht übereinstimme, aber ich kann nicht mehr von mir selbst behaupten, nicht religiös zu sein.” Denn die Parallelen zwischen meiner Weltansicht und dem Konzept und der Auslebung der Religion existieren. Besonders für eine Unterhaltung bin ich sehr dankbar: In dieser ging es unter anderem um das, was auch immer vor dem Urknall gewesen sein muss und die Tatsache, dass die Unendlichkeit so unvorstellbar ist, dass sie zu etwas Heiligem wird. Interessant hierbei finde ich auch die Aussage eines anderen Menschen, welcher meinte, die Unendlichkeit und die Ewigkeit seien nicht identisch. Meiner Meinung nach ist dieser Gedanke schlicht faszinierend. Die Thematik ist einen eigenen Blogbeitrag wert und mal schauen, ob ich diesen vielleicht tatsächlich irgendwann noch schreibe, aber bis dahin zur weiteren Inspiration und zum Nachdenken um die ungelöste Frage der Herkunft unserer Existenz hier ein paar Verse aus “Sockosophie” von Käptn Peng & Die Tentakel von Delphi: “Noch mal zurück zum Universum und zum Leben: Genau genommen dürfte es das alles gar nicht geben (Warum?) Naja, woher soll es denn kommen? (Aus dem Nichts!) Hey, wir haben gesagt genau genommen! Und genau genommen kann aus Nichts nichts entstehen […] Variante Zwei ist für mich auch nicht zu verstehen. Sie lautet irgendwas hat schon immer existiert (Schon immer? Ich glaub ich hab’s noch immer nicht kapiert.) Es war nie nichts vorhanden, es ist immer was passiert”

Fakt ist aber, dass ich in dieser einen Woche großartige Menschen kennengelernt habe, sehr viel über mich selbst, die Welt und einige politische u. gesellschaftliche Zusammenhänge gelernt habe und geniale Erinnerungen geschaffen wurden. Ich hoffe die Floskel “man sieht sich immer (mindestens) zweimal im Leben” ist wahr.

Nun, das, meine Arbeit im Pflegeheim, wo ich gestern leider meinen letzten Arbeitstag hatte, und die Tatsache, dass ich auch nur ein Mensch bin und dieser Blog nach wie vor nur ein Hobby ist, bedingt dass es auch Zeiten wie den letzten Monat gibt, in denen man rein gar nichts von mir hört. Ich kann Euch aber sagen, dass es nicht so bleibt. Am 7. September beispielsweise besuche ich eine Lesung von Lukas Rietzschel in Leipzig (Anmeldungen sind hier noch möglich) und meinen Podcast werde ich zwar wahrscheinlich noch mal etwas umstrukturieren, aber er ist definitiv in Arbeit. Auch die Rezensionen zu “Gänseblümchen”, “Ich rette die Wet, aber erst mal eine rauchen” und “Maybe Not Tonight” werden noch geschrieben und die Bücher, die ich im Moment lese, sind ebenfalls vielversprechend und spannend, allerdings könnt Ihr diesbezüglich auch einfach bei Goodreads vorbeischauen 😉

So, genug über mein Leben geredet, Ihr seid ja vermutlich sowieso eher für die Buchrezensionen hier. Bald gibt es wieder neue Empfehlungen und bis dahin, genießt den restlichen Sommer, ich werde es auf jeden Fall tun, denn mein FSJler-Leben in Dresden beginnt erst im Oktober, sodass ich mir noch den ganzen September mit anstrengenden und spaßigen Terminen vollpacken kann 😀

Viel Spaß, liebe Grüße und schaut euch “Courage” an!
Aly

PS: Ein weiterer Punkt über den ich in letzter Zeit oft nachgedacht habe, ist die Verwendung meines Pseudonyms. Denn mittlerweile hätte ich deutlich weniger Hemmungen meine Texte und meine Meinung auch unter meinem tatsächlichen Namen zu veröffentlichen und vielleicht wäre das auch authentischer. Allerdings sind gerade meine weniger meinungsbasierten Texte ja doch auch eine Form von Kunst für die ein Künstlername durchaus gerechtfertigt ist. Der Name ist einfach auch ein riesiger Bestandteil solcher Projekte, weshalb ich nichts überstürzen will. Nun gut, ich werde wahrscheinlich noch einiges an Zeit in diese Überlegungen stecken. 🙂

Blog, Reviews

Blog Entry No. 39 – Pictures of You

Liebe Leser:innen,

die Mittsommernacht und der Pride Month sind vergangen (ich finde es immer wieder erstaunlich, wie schnell die Zeit vergeht), aber ein großer Teil des Sommers liegt noch vor uns. In Vorfreude auf den CSD, der in meiner Nähe erst im September stattfindet, und mit dem Versprechen, dass ich in Zukunft noch etwas häufiger über queere Bücher schreiben werde, hier nun die Rezension zu Pictures of You von Tina Winter.

Cover des Buches: https://www.ullstein-buchverlage.de/uploads/tx_publisher/cover
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Das ebook dieses Romans wurde mir von NetGalley im Austausch einer unabhängigen, ehrlichen Rezension zur Verfügung gestellt. Pictures Of You, geschrieben von der deutschen Autorin Tina Winter, erschien am 5. April 2021 in dem Verlag Forever by Ullstein. Ihr findet es unter der ISBN 9783958186262.
Ich persönlich finde das Cover total gelungen, auch wenn es nicht zu den Top-Cover-Favoriten in meinem Regal zählt. Der Titel sticht als das einzige, farblich nicht harmonisch passende Element hervor und der Hintergrund ist einfach durch und durch schön. Mir gefällt, dass die Kamera im Vordergrund steht und die beiden Hauptcharaktere einen nicht gleich anspringen, denn normalerweise bin ich kein Fan von realen Menschen auf Covern, vor allem bei Büchern der Genres Romantik, New Adult, Erotik etc. Irritierend finde ich es oft, wenn der Titel in einer anderen Sprache als der Originaltext ist, so wie hier (oder bspw. englische Titel zu anderen englischen Titeln bei der anderssprachigen Ausgabe “übersetzt” werden). Ebenfalls anmerken möchte ich noch, speziell auf Netgalley.de bezogen, dass ich es nicht gut finde, Bücher in Kategorien wie “Frauenunterhaltung” einzuteilen. Natürlich muss man das Angebot irgendwie sortieren, schon um es der Zielgruppe leichter zugänglich zu machen, jedoch bin ich der Meinung, dass sich dafür durchaus weniger sexistische Kategorien finden lassen.

Aber nun zum Inhalt: Die Geschichte wird aus Jays Perspektive erzählt. Der junge BWL-Student studiert nur deshalb BWL, um dem Willen seines Vaters zu folgen und in das Familienunternehmen einzusteigen. Seine Freizeit gestaltet er dagegen hauptsächlich mit Fotografie und One-Night-Stands, mit keinem Mann schläft er mehr als einmal. Seine Familie hat keine Ahnung von Jays wirklichen Interessen und Alles würde nach Plan verlaufen, hätte er nicht den verschlossenen, neuen Bibliothekar Konstantin kennengelernt, der Jay nicht mehr aus dem Kopf geht.

In Pictures of You beschreibt Tina Winter eine wirklich schöne, romantische Geschichte, durch deren Seiten man nur so fliegt. Einmal angefangen ist das Buch schwer aus der Hand zu legen, da zum einen der Schreibstil absolut angenehm ist und zum anderen auch die Handlung immer die richtige Balance zwischen fesselnder Spannung mit offenen Fragen und Romantik zum Dahinschmelzen fand. Beeindruckend ist Jays Entwicklung. Während die meisten Nebencharaktere nur selten mit Details und Entwicklung versehen wurden und ich mir auch bei Konstantin gern noch mehr Tiefe gewünscht hätte, wurde im Gegensatz dazu Jays Gefühls- und Gedankenwelt genial beschrieben. Er wächst mit jeder Herausforderung, macht Fehler und lernt dazu, aber vor allem findet er im Laufe des Romans immer mehr zu sich selbst und das “miterleben” zu können ist einfach wundervoll.
Mein absoluter Lieblingsnebencharakter ist die Mitbewohnerin der Hauptperson: die rothaarige Jurastudentin und Bloggerin Maren. Getoppt wird das ganze nur noch von der Szene als Maren und Jay gemeinsam Suits (eine meiner Lieblingsserien) schauen und sie sich darüber beschwert, ständig mit Donna verglichen zu werden. Obwohl ich sagen muss, dass ich mir immer noch nicht ganz sicher bin, ob die im Buch beschriebenen Szenen der Serie nicht doch ein paar Spoiler enthalten haben.

Alles in Allem ist Pictures Of You ein wirklich schöner, romantischer Roman mit LGBTQIA+ Repräsentation und expliziten sexuellen Schilderungen.
Thematisiert wird dieses Buch auch in meiner neuen Podcastfolge: Folge 2 – Bücher mit LGBTQIA+ Repräsentation.

Ich wünsche Euch noch ein wundervolles Wochenende,
Aly

Blog, Reviews

Blog Entry No. 38 – Kim Jiyoung, geboren 1982

Liebe Leser:innen,

obwohl die Thematik in diesem Buch immer wieder schockierend und unglaublich wichtig ist, wird das eine eher kurze Review. In diesem 37. Blog Eintrag soll es um “Kim Jiyoung, geboren 1982” gehen, ein Buch der koreanischen Autorin Nam-Joo Cho, das den extremen Sexismus, den der Hauptcharakter erdulden muss, scharf auf den Punkt bringt.
Die deutsche Übersetzung wurde am 11. Februar 2021 veröffentlicht und Ihr findet sie unter der ISBN 9783462053289. Mein Exemplar wurde mir von NetGalley.de im Austausch für eine ehrliche Rezension zur Verfügung gestellt.

Cover des Buches, Bild von: https://rdw.hgvcdn.de/
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“In einer kleinen Wohnung am Rande der Metropole Seoul lebt Kim Jiyoung. Die Mittdreißigerin hat erst kürzlich ihren Job aufgegeben, um sich um ihr Baby zu kümmern – wie es von koreanischen Frauen erwartet wird. Doch schon bald zeigt sie seltsame Symptome: Jiyoungs Persönlichkeit scheint sich aufzuspalten, denn die schlüpft in die Rollen ihr bekannter Frauen. Als die Psychose sich verschlimmert, schickt sie ihr unglücklicher Ehemann zu einem Psychiater. Nüchtern erzählt eben dieser Psychiater Jiyoungs Leben nach, ein Leben bestimmt von Frustration und Unterwerfung. Ihr Verhalten wird stets von den männlichen Figuren um sie herum überwacht – von Grundschullehrern, die strenge Uniformen für Mädchen durchsetzen; von Arbeitskollegen, die eine versteckte Kamera in der Damentoilette installieren und die Fotos ins Internet stellen. In den Augen ihres Vaters ist es Jiyoung’s Schuld, dass Männer sie spät in der Nacht belästigen; in den Augen ihres Mannes ist es Jiyoung’s Pflicht, ihre Karriere aufzugeben, um sich um ihn und ihr Kind zu kümmern.” [Kurzbeschreibung zitiert von NetGalley.de]

In “Kim Jiyoung, geboren 1982” wird treffend die unschöne Realität des starken Sexismus in Südkorea dargestellt und informativ mit Statistiken belegt. Die Thematik des Buches ist zweifelsohne extrem wichtig und stilistisch sehr gut verpackt. Mehrfach haben mich Situationen, Handlungen oder Äußerungen der Personen Frauen gegenüber sprachlos gemacht. Aber auch die Einstellung vieler Frauen selbst war schockierend. Die Lebensgeschichte Kim Jiyoungs wurde nüchtern und fast schon trocken beschrieben, was sehr gut zu dem Rahmen passt, dass die Geschichte von ihrem Psychiater erzählt wird. Dennoch ist es mir dadurch schwer gefallen, das Buch wirklich gern zu lesen, es konnte mich nicht fesseln, hat mich nicht in den Bann des Geschehens gezogen. Insgesamt ist “Kim Jiyoung, geboren 1982” von Nam-Joo Cho ein wirklich gutes und authentisches Buch, das man mal gelesen haben sollte.

Die nächsten Rezensionen werden wieder länger, bis dahin wünsche ich Euch eine wunderbare Zeit,
Aly