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Blog Entry No. 7 – La Peste

Liebe Leser,

das Buch, um das es mir heute gehen soll, habe ich den vergangenen Sommermonaten gelesen. In einer Zeit, in der das Corona-Virus Deutschland zwar nicht so stark im Griff hatte wie im März oder jetzt, aber dennoch allgegenwärtig war. Umso interessanter war es dann, die Situation im Buch mit der Aktuellen zu vergleichen.

Kurz vor meinen Ferien wurde mir empfohlen Camus’ “Die Pest” unbedingt einmal zu lesen und als ich es dann einige Wochen später in meinem Lieblingsbuchladen entdeckte, konnte ich nicht wiederstehen, es mir zu kaufen und mein Bücherregal zu berreichern. Nun befand sich die 94. Auflage der deutschen Ausgabe von “La Peste”, von Uli Aumüller übersetzt, des Rowohlt Taschenbuch Verlages in meinen Händen und nachdem ich entgeistert und zu tiefst berührt die letzte Seite des Buches gelesen hatte, musste ich feststellen, dass dieses Werk eine der absolut besten bisherigen Bereicherungen für mein Bücherregal und meinen Geist ist.

Porträtfoto von Albert Camus, 1959/1960 Deutsches Historisches Museum; Pressebild-Verlag Schirner Inventarnr. BA 94/733: https://www.hdg.de/lemo/bestand/objekt/foto-albert-camus.html

Albert Camus wurde am 7. November 1913 in Mondovi, Algerien mit südfranzösischen Wurzeln geboren. Von 1933 bis 1936 studierte er Philosophie an der Universität Algier. Nach dem er für kurze Zeit in der Kommunistischen Partei Algeriens war, arbeitet er hauptsächlich an Theatern, da er 1937 auf Grund seiner seit 1930 immer wieder kehrender Tuberkuloseanfälle nicht zu einem Staatsexamen in Philosophie zugelassen wurde. Er arbeitete anschließend einige Zeit als Journalist, später als Lehrer, als er mit seiner zweiten Frau in Oran lebte. 1942 veröffentlichte er den Roman “Der Fremde” und den philosophischen Essay “Der Mythos von Sisyphos” (bevor ich “Die Pest” las, kannte ich nur zuletzt genannten Essay von Camus). Durch die Widerstandsgruppe “Combat” kam er schließlich 1943 nach Paris um als Lektor zu arbeiten, später wurde er Chefredaktuer der von ihm mitbegründeten Zeitung “Le Combat”. Selbige verließ er jedoch 1947, da sie den Besitzer und die politische Linie wechselte. In den darauffolgenden Jahren schrieb er mehrere Romane und Essays, 1957 wurde er mit dem Nobelpreis für Literatur für seine “bedeutende literarische Schöpfung, die mit klarsichtigem Ernst die Probleme des menschlichen Gewissens in unserer Zeit beleuchtet” ausgezeichnet. Drei Jahre später starb Camus am 4. Januar 1960 im Alter von 46 Jahren bei einem Autounfall.

1947 schrieb Albert Camus das Werk, das nun zu den Klassikern der Weltliteratur gehört: “La Peste” oder auf deutsch: “Die Pest”. Darin beschreibt er, wie es in der algerischen Stadt Oran zu einem rätselhaften Massensterben der Kanalratten auf den Straßen kommt und kurz darauf auch die Menschen an einem schweren Fieber sterben. Als bekannt wird, dass die Pest die Stadt erreicht hat, wird Oran sofort vollständig abgeriegelt. Um zu sezieren, was diese Situation mit den Menschen macht, wie eine solche Katastrophe menschliches Handeln beeinflusst, beschreibt er, neben dem Verhalten zahlreicher Nebencharaktäre, das Leben von fünf Hauptcharaktären: Der Arzt Dr. Rieux, der wohlhabende Tarrou, der Angestellte Grand, dessen Nachbar Cottard und der aus Paris kommende Journalist Rambert.

Beim Lesen ist mir aufgefallen, dass die Geschichte, welche vom Erzähler oft auch als “Chronik” bezeichnet wird, keinen wirklichen Spannungsbogen hat. Aus diesem Grund ist es umso bemerkenswerter, dass Camus es geschafft hat, die Geschehnisse so zu beschreiben, dass man das Buch trotzdem nicht mehr aus der Hand legen will. Durch die Verwendung eines personalen Erzählers hat man außerdem die meiste Zeit das Gefühl, dass die Vorgänge und Zusammenhänge gerade von einem Zeitzeugen berichtet werden, dem das in Oran herrschende Gefühl noch in allen Fasern steckt. Am Ende fühlte ich mich den Personen so nah, dass ich traurig darüber war, dass das Buch schon zuende ist. Ist es nicht genau das, was gute Bücher ausmacht? Aber Camus hat nicht nur meine emotionale Ebene hervorragend getroffen, er regte auch an viele Stellen zum Nachdenken an, stellte interessante Thesen auf und deckte Zusammenhänge auf über die ich mir noch nie Gedanken gemacht hatte und die man auch in der aktuellen Krise wieder beobachten konnte. Alles in allem ist “Die Pest” ein unglaublich gutes Buch, das ich mit Sicherheit noch viele weitere male mit Freuden lesen werde.

Mit gemütlichen Herbst-Grüßen,
eure Aly

PS: (Die Informationen zur Biographie beziehe ich von: Haunhorst, Regina/Zündorf, Irmgard: Biografie Albert Camus, in: LeMO-Biografien, Lebendiges Museum Online, Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland,
URL: http://www.hdg.de/lemo/biografie/albert-camus.html
Zuletzt besucht am 17.10.2020)

Aber der Erzähler neigt eher zu der Auffassung, dass man dem Bösen letztlich indirekt eine starke Huldigung erweist, wenn man die guten Taten zu wichtig nimmt: Damit deutet man nämlich an, dass diese guten Taten nur deshalb einen so großen Wert haben, weil sie selten sind, und dass Bosheit und Gleichgültigkeit ein sehr viel häufigerer Antrieb des menschlichen Handelns sind. Diese Ansicht teilt der Erzähler nicht. Das Böse in der Welt geht fast immer von Unwissenheit aus, und der gute Wille kann ebenso viel Schaden anrichten wie die Bosheit, wenn er nicht aufgeklärt ist. Die Menschen sind eher gut als böse, und eigentlich geht es gar nicht um diese Frage. Aber sie sind mehr oder weniger unwissend, und das nennt man dann Tugend oder Laster, wobei das hoffnungsloseste Laster das der Unwissenheit ist, die alles zu wissen vermeint und sich deshalb das Recht nimmt zu töten. Die Seele des Mörders ist blind, und es gibt keine wirkliche Güte oder wahre Liebe ohne die größtmögliche Klarsichtigkeit.

~ Albert Camus in “Die Pest” (übersetzt von Uli Aumüller)

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